Saarländische Kulturszene zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Ein Beitrag über die aktuelle Stimmung in der saarländischen Kulturszene

Patrick Wiermer. Rick Reitler   22.02.2021 | 08:00 Uhr

Schon seit Monaten hat die Kulturszene kaum eine Chance, aufzutreten oder selbst Geld zu verdienen. Trotz der finanziellen Hilfe durch den Steuerzahler geht es für viele längst an die Substanz. Das sieht auch im Saarland nicht anders aus. SR-Reporter Patrick Wiermer mit einem Stimmungsbild.

Keine Bühne, kein Applaus, keine Einnahmen: Auch die Kulturszene an der Saar und ihr Publikum leiden seit einem knappen Jahr unter der Corona-Krise. Einige Betroffene haben sich andere Standbeine gesucht.

Jetzt ist eine vage Öffnungsperspektive in Sicht: Sinkt der Inzidenzwert unter 35, könnten auch Theater und Museen wieder öffnen. Allerdings nicht vor dem 7. März.

Wären die Kulturschaffenden nach den vergangenen Monaten aber direkt wieder einsatzbereit? SR-Reporter Patrick Wiermer hat sich umgehört.

Stimmen:

Einige Stimmen aus der saarländischen Kulturszene
Audio [SR 2, Patrick Wiermer, 15.02.2021, Länge: 01:49 Min.]
Einige Stimmen aus der saarländischen Kulturszene
Staatstheater-Intendant Bodo Busse, Techno-Club-Leiter Tim Grothe, Museumsleiterin Andrea Jahn und die freischaffende Künsterin Annette Orlinski - sie alle hoffen darauf, den Menschen mit ihren kulturellen Angeboten bald wieder Freude machen zu dürfen.

Staatstheater-Intendant Bodo Busse will "Hoffnungszeichen setzen" und "Utopien entwickeln", hofft auf "eine Art Premierenfestival" mit anschließendem normalen Repertoire-Programm zum Gründonnerstag - "unter den nötigen Einschränkungen natürlich". Er ist überzeugt: "Wir müssen ganz schnell wieder soziale Nähe aufbauen". Sollte es zu Ostern noch nicht möglich sein, "dann schieben wir das halt weiter nach hinten".

Die freischaffende Künstlerin Annette Orlinski: "So langsam durste ich wirklich nach menschlichem Kontakt, nach Unterstützung von Menschen durch meine Kreativität". Sie habe sich einen Bus angeschafft, um die "Kunst als Therapie" zu den Menschen bringen zu können.

Tim Grothe, der Leiter des Saarbrücker Techno-Clubs Mauerpfeiffer, geht davon aus, dass er mit entsprechend sicheren Konzepten - zum Beispiel unter Verwendung von Schnelltests - sicher wieder sehr schnell öffnen könne.

Andrea Jahn, die Leiterin der Modernen Galerie des Saarlandmuseums, zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung der Regierung, den Lockdown bis zum 7. März auch für Museen zu verlängern. Nun müssten sich die "Menschen weiter an die Regeln halten", damit "wir Anfang März mit unseren Inzidenzwerten so weit sind, dass auch die Museen wieder öffnen dürfen".


Andrea Jahn über die Situation der Museen
Archiv-Video [SR Fernsehen, (c) SR, 10.02.2021, Länge: 06:10 Min.]
Andrea Jahn über die Situation der Museen


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 15.02.2021 und in "Der Nachmittag" am 22.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigtg ein Protestplakat aus der saarländischen Kulturszene vom Juni 2020 (Foto: SR Fernsehen).

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