Premiere: "Nora_Spielen!" in der Alten Feuerwache

"Eine kluge Inszenierung"

Spielzeit-Auftakt: Das Schauspiel "Nora_Spielen!" feierte Premiere in der Alten Feuerwache

mit Informationen von Jochen Erdmenger   06.09.2020 | 13:45 Uhr

Die neue Spielzeit am Saarländischen Staatstheater hat begonnen. Am 5. September wurde in der Alten Feuerwache in Saarbrücken das Schauspiel "Nora_Spielen!" gezeigt.

Die neue Spielzeit am Saarländischen Staatstheater (SST) beginnt in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen. Nach einem halben Jahr Corona-Pause heißt es endlich wieder Bühne frei - in diesem Jahr mit gleich zwei Premieren. Im Großen Haus des SST beginnt am 6. September die neue Saison mit Giuseppe Verdis Oper "Der Troubadour" und in der Alten Feuerwache gab es am 5. September das erste Schauspiel zu erleben: "Nora_Spielen!" - basierend auf dem Stück "Nora" des norwegischen Autoren Henrik Ibsen.

Basierend auf Emanzipationsdrama aus dem 19. Jahrhundert

Szene aus dem Schauspiel "Nora Spielen" (Foto: C.Kaufhold / SST)

Ibsens Drama ist das zentrale Emanzipationstheaterstück des 19. Jahrhunderts. Nora ist eine Frauenfigur, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben steht. Sie erkennt mit einem Mal, dass sie wie ein Püppchen von ihrem Mann behandelt wird. Torvald ist gerade befördert worden zum Banddirektor. Er bietet seiner Familie ein Leben in Wohlstand, frei von Geldsorgen. Er entscheidet alles, ist durchaus gut zu seiner Frau Nora, aber sie hat nichts zu melden. Sie ist lediglich sein "Singvögelchen" – so heißt es im Text.

Szene aus dem Schauspiel "Nora Spielen" (Foto: C.Kaufhold / SST)

Solange sie ihrem Mann zur Zierde gereicht, ist alles prima. Aber als sie droht, die Familienidylle zu sprengen durch eine unbequeme Wahrheit aus ihrer Vergangenheit, da will er über sie knallhart bestimmen und alles um seiner Karriere willen vertuschen. Und in dieser Scheinwelt spielt Nora nicht mehr mit.

Modern, selbstbewusst, nicht nur Opfer

Szene aus dem Schauspiel "Nora Spielen" (Foto: C.Kaufhold / SST)

Die Nora in der Inszenierung von Regisseurin Schirin Khodadadian ist nun aber eine ganz moderne, selbstbewusste Frau, durchaus nicht nur Opfer. Sie ist sogar regelrecht durchtrieben, spielt auch mit den anderen ihr Spiel, weiß ihre Attraktivität und ihre Reize einzusetzen – aber: Auch sie ist letztlich dadurch in ein Rollenbild gezwängt, dass sie unfrei macht. Auch Kapitalismuskritik kommt in Khodadadians Adaption des Ausgangsstoffs nicht zu kurz.

Theater in Corona-Zeiten

Maskenpflicht, Abstandsregeln und Platzanweiser sorgen dafür, dass ein Theaterbesuch wieder möglich ist. Im Saal selbst, der nur etwa zu einem Viertel ausgelastet ist, ist genug Abstand: Nur jede zweite Reihe ist besetzt. Bis zu zehn Personen können auf eigenen Wunsch, wenn sie als Gruppe kommen, nebeneinander sitzen. Zwischen einzelnen Besuchern oder Besuchsgruppen sind zwei Stühle frei. Rechtzeitig Karten besorgen ist angesichts der geringen Kapazitäten im Saal allerdings sinnvoll. Manchmal gibt es aber auch an der Abendkasse spontan noch Restkarten.

Auch die Schauspieler*innen müssen Abstand halten. Das führt zu einem sehr distanzierten Spiel: Die Akteur*innen stehen weit auseinander auf der Bühne. Aber das wissen die Darsteller*innen gut zu nutzen: Sie weichen aus, tänzeln umeinander herum, bevor sie sich zu nahe kommen Außerdem steht am Bühnenrad ein Desinfektionsmittelspender.


Auf einen Blick


Szene aus dem Schauspiel "Nora Spielen" (Foto: C.Kaufhold / SST)

"Nora_Spielen!"
Inszenierung: Schirin Khodadadian
Autor: Henrik Ibsen
Aus dem Norwegischen übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel

Ort:
Alte Feuerwache, Saarbrücken

Weitere Termine
Freitag, 11.09.2020, 19.30 Uhr Ausverkauft
Freitag, 25.09.2020, 19.30 Uhr Ausverkauft
Samstag, 03.10.2020, 18.00 Uhr Ausverkauft
Donnerstag, 22.10.2020, 19.30 Uhr
Freitag, 16.10.2020, 19.30 Uhr
Samstag, 31.10.2020, 19.30 Uhr
Sonntag, 04.10.2020, 19.30 Uhr

***
Zusätzliche Termine folgen***

Besetzung
Inszenierung: Schirin Khodadadian
Bühnenbild und Kostüme: Carolin Mittler
Musik: Katrin Vellrath
Licht: Patrik Hein
Dramaturgie: Horst Busch

Weitere Informationen unter:
www.staatstheater.saarland/stuecke

Ein Thema in der Sendung "Canapé" vom 06.09.2020 auf SR 2 KulturRadio und in der "Region am Sonntag" vom 06.09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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