Linden-Museum Stuttgart denkt über Umbenennung nach

Linden-Museum Stuttgart denkt über Umbenennung nach

Ein Gespräch mit Prof. Inés de Castro, der Leiterin des Staatlichen Museums für Völkerkunde in Stuttgart ("Linden-Museum"), über das Erbe der Kolonialzeit

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   30.06.2020 | 07:15 Uhr

Am Rand der "BlackLivesMatter"-Proteste oder ähnlich ausgerichteter Demonstrationen kommt es immer wieder auch zu bewusst inszenierten zerstörerischen Aktionen: So werden etwa Statuen oder Denkmäler bestimmter Akteure der Weltgeschichte buchstäblich von ihrem Sockel gestoßen. Besonders die einst verehrten Helden der Ära kolonialer Eroberungen sind heute Zielscheibe von Sachbeschädigungen.

"Schwieriges Erbe"

Wie gehen die professionellen Bewahrer von Erinnerungsstücken wie etwa Museen damit um? Das Staatliche Museum für Völkerkunde, das Linden-Museum in Stuttgart, plant beispielsweise ab November 2020 eine Werkausstellung mit dem vielsagenden Titel "Schwieriges Erbe".

" Fokus auf Kolonialzeit und Verbrechen legen"

Prof. Inés de Castro, die Leiterin des Museums, denkt in dem aktuellen "Prozess der Neuorientierung" sogar über einen neuen Namen für ihr Haus nach, der dann womöglich nicht mehr an den historischen Namensgeber Carl Graf von Linden (1838–1910) erinnern würde.

Grundsätzlich halte sie es für "extrem wichtig", Denkmäler stets "in einen Kontext zu setzen oder sie zu verändern oder vielleicht künstlerisch durch Intervention zu behandeln, so dass wirklich ein Fokus auf diese Kolonialzeit und diese Verbrechen auch noch gelegt werden" könne, sagte de Castro im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Sie sehe dies als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe". Es wäre aus ihrer Sicht trotzdem "schade", wenn alles verschwinden würde, was noch "ein bisschen" an die Kolonialzeit erinnere.

Der SR 2-ProgrammTipp:

ZeitZeichen: 30. Juni 1960
Der Kongo wird unabhängig
Die Unabhängigkeit 1960 gab dem Kongo eine kurze Hoffnung. Doch nach der Ermordung des Ministerpräsidenten Patrice Lumumba, der einen eigenständigen afrikanistisch-sozialistischen Weg einschlagen wollte, übernahmen Kleptokraten die Führung des Landes.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 30.06.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Prof. Ines de Castro, Direktorin des völkerkundlichen Linden-Museums in Stuttgart (Foto: dpa / Tom Weller).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja