Baustelle Notre Dame: "Ein bisschen wie eine ganz geliebte alte Dame"

"Ein bisschen wie eine ganz geliebte alte Dame"

Ein Gespräch mit dem Heidelberger Kunsthistoroiker Prof. Michael Hesse über den Stand der Dinge an der Baustelle Notre Dame ein Jahr nach dem Brand

Steffen Kolodziej. Onlinefassung: Rick Reitler   15.04.2020 | 15:00 Uhr

Dem Kunsthistoriker Prof. Michael Hesse macht es keine großen Sorgen, dass die Restaurierung der Kathedrale Notre Dame in Paris derzeit stillsteht. "Sehr viel Zeit" für die behutsamen Arbeiten werde man ohnehin noch brauchen - und genügend Experten, so Hesse im SR-Interview.


Am 15. April 2019 war der Dachstuhl der Kathedrale Notre Dame de Paris ausgebrannt. Nur fünf Jahre sollte der Wiederaufbau des 850 Jahre alten Wahrzeichens dauern - das war das sofort verkündete Ziel von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Seither ist augenscheinlich nicht allzuviel passiert: Das Gelände wurde zwar weiträumig abgesperrt und eingezäunt, die Bauarbeiten aber stehen seit Wochen still. Das Coronvirus hat den Arbeitern einen Strich durch die Richtung gemacht.

Zeit, Geduld und Expertise gefragt

Für den Heidelberger Kunsthistoriker Prof. Michael Hesse ist klar, dass es ohnehin nicht so schnell vorangehen würde: "Die Maßnahmen dauern sehr lange. Und die setzen auch eingehende Forschungen voraus", sagte Hesse im Gespräch mit SR-Moderator Steffen Kolodziej. So sei zum Beispiel schon ein provisorisches Dach installiert worden, um die Mauern zu stabilisieren.

Wichtig sei letztlich, dass genügend Experten am Werk seien, die sich "sehr viel Zeit" für eine behutsame Restaurierung nähmen. Das Bauwerk sei "ein bisschen wie eine ganz geliebte alte Dame", erklärte Hesse: Die bringe man bei einem Unfall ja auch nicht zu Schönheitschirurgen, sondern zu einem guten Arzt.

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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 15.04.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt die Baustelle der Kathedrale Notre Dame de Paris in Corona-Zeiten (Foto: dpa / AP / Ena Christoph).

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