Konzertsaal, Espace Gouvy Freyming Merlebach  (Foto: SR Fernsehen)

Wie Künstlerinnen und Künstlern jetzt geholfen wird

Eine Übersicht über die verschiedenen Corona-Hilfsprogramme

Martin Breher   21.04.2020 | 09:30 Uhr

Die Corona-Pandemie trifft die Kunst- und Kulturszene besonders hart. Viele Künstlerinnen und Künstler bangen um ihre Existenz. Bund, Länder und viele weitere Institutionen haben Hilfsprogramme aufgelegt. Ein Überblick.


Unterstützung der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat zur Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen.

Geldscheine  (Foto: SR)

Die Hilfen umfassen unter anderem einen leichteren Zugang zur Grundsicherung, etwa durch den Wegfall der Vermögensprüfung und Soforthilfen für Kleinstunternehmen und Soloselbständige: Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten eine Einmalzahlung bis zu 9000 Euro, bei bis zu zehn Beschäftigten fließen bis zu 15.000 Euro, jeweils für drei Monate.

Darüber hinaus wurden Erleichterungen im Miet- und Insolvenzrecht beschlossen. Für Künstler, die coronabedingt mit ihrer Miete im Rückstand sind, gilt ein eingeschränktes Kündigungsrecht. Die Insolvenzantragspflicht für betroffene Unternehmen wird ausgesetzt.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird Unternehmen bei der Bewältigung der Coronakrise unterstützen, indem sie die kurzfristige Kreditvergabe erleichtert. Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler, die diese Unterstützung nutzen möchten, müssen sich direkt an ihre Hausbank wenden.

Auch die Künstlersozialversicherung kommt den Kreativen entgegen. Bei Versicherten, deren Einkommensprognose sich verändert hat, besteht die Möglichkeit, die Beiträge zu senken. Bei akuten Zahlungsschwierigkeiten können zudem individuelle Zahlungserleichterungen gewährt werden. Für Unternehmen können die monatlichen Vorauszahlungen reduziert werden, Zahlungserleichterungen sind ebenfalls möglich.

Selbstständige und Freiberufler, die aufgrund des Coronavirus einem beruflichen Tätigkeitsverbot unterliegen und dadurch einen Verdienstausfall erleiden, können nach § 56 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) eine Entschädigung erhalten. Anlaufstelle hierfür ist das Gesundheitsamt.

Bei von Kulturstaatsministerin Monika Grütters geförderten Projekten wird weitestgehend auf Rückforderung von Fördermitteln verzichtet. Eine flexible Umwidmung von Fördermitteln soll ermöglicht werden, wenn Projekte in anderer Form stattfinden - etwa wenn Konzerte nicht mehr als Live-Veranstaltung, sondern als Stream im Internet stattfinden.

Alle Informationen zum Hilfsprogramm der Bundesregierung finden Sie auf der Webseite der Bundesregierung.


Maßnahmen des Landes

Saarländisches Kultusministerium
Millionen für die Kultur

Das Kulturministerium hat einen millionenschweren Geldsegen für die Kultur angekündigt. Freischaffende Künstler können ab sofort "Stipendien" von jeweils 3000 Euro beantragen. Dafür werden 2,5 Millionen Euro zusätzlich bereit gestellt. Außerdem wird der Etat für die Landeskunstsammlung um 100.000 Euro aufgestockt, um mehr Kunstwerke ankaufen zu können - Preislimit jeweils 2000 Euro.

Alle Informationen zu den Coronahilfen des Saarlandes finden Sie auf der Webseite des Kulturministeriums.


Hilfe von den Verwertungsgesellschaften

Die GEMA, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, vertritt die Künstler und ihre Urheberrechtsansprüche. Für "individuelle Härtefälle" gewährt die GEMA Übergangshilfen. Außerdem müssen Betriebe in der Zeit, in der sie geschlossen bleiben müssen, keine Vergütung an die GEMA zahlen.

Mitglieder und Kunden finden weitere Informationen auf der Webseite der GEMA.

Interview: GVL-Geschäftsführer Thilo Gerlach
"Unsere Mittel sind bescheiden"

Die GVL, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, vertritt im Gegensatz zur GEMA nicht die Rechte der Urheber, sondern die der Interpreten. Als Notmaßnahme für freiberufliche Künstler zahlt die GVL als Soforthilfe 250 Euro, um Ausfälle von Konzerten und Produktionen abzufedern. An weiteren Hilfsmaßnahmen wird gearbeitet.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der GVL.


Hilfen für freie Orchestermusiker

Die Deutsche Orchester-Stiftung hat einen Nothilfefonds eingerichtet, in den jeder einzahlen kann. Die Spenden sollen dabei helfen, die ersten kritischen Tage und Wochen zu überbrücken, bis die staatlichen Hilfen organisiert sind. Den Antrag finden Musiker auf der Internetseite der Orchester-Stiftung.

Cello und Notenständer (Foto: DRP/Veerle Vercauteren)

Spendenkonto
Deutsche Orchester-Stiftung
Kennwort: Nothilfefonds
IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05
BIC:   COBADEFFXXX

Auch die Deutsche Orchestervereinigung DOV hat für ihre freischaffenden Mitglieder eine Notfallunterstützung eingerichtet. Freischaffende, die aufgrund ihrer persönlichen Einkommenssituation sozial akut hilfsbedürftig sind, können Hilfen beantragen. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite der DOV.


Künstler-Nothilfefonds des Kulturforums der Sozialdemokratie Saarland

Das Kulturforum der Sozialdemokratie Saarland e.V. hat eine Spendenaktion gestartet, die den Betroffenen auch längerfristig unter die Arme greifen will. Der Endspurt läuft bis zum 10. Mai.

Kulturforum der Sozialdemokratie Saarland
Künstler-Nothilfefonds ins Leben gerufen

Stand 7. Mai war die 25.000 Euro-Marke beim Nothilfefonds durch Spenden überschritten. "Ein tolles  Signal", freut sich Dr. Burkhard Jellonnek, Vorsitzender des Kulturforums. In einer Presseerklärung lud er alle Kulturschaffenden im Saarland dazu ein, eine Förderung aus dem weiter wachsenden Nothilfefonds zu beantragen.

Die Rahmenbedingungen seien bewusst "niedrigschwellig" gehalten worden: Wohnsitz im Saarland, Angaben zum Status als  Freischaffender und eine Erklärung, dass Einkünfte aus Kunst und Kultur eine Haupteinnahmequelle darstellen. Zur Beantragung genüge eine E-Mail mit zusätzlichen Informationen zur Postanschrift, kurzer künstlerischer Vita und Kontonummer (IBAN). Dieser formalose Antrag sollte bis "spätestens zum 10. Mai 2020" an kulturforum@spd-saar.de geschickt werden.

Inzwischen wurde auch die Möglichkeit geschaffen, dem Kulturforum einen digitalen künstlerischen Beitrag zur Verfügung zu stellen, der dann bei einem zweiten Aufschlag veröffentlicht werden soll: Für Samstag, 23. Mai, dem "Geburtstag" des Grundgesetzes, plant das Kulturforum, ein Festival im Netz zu veranstalten. In einem eigens eingerichteten Show-Room kann sich dann jeder live oder zeitversetzt die Beiträge der beteiligten Kulturschaffenden anschauen: Musik, Lesungen, Bilder oder auch Fotografien.

Spendenkonto
Kulturforum der Sozialdemokratie Saarland e. V.
Sparkasse Saarbrücken
IBAN: DE77 5905 0101 0000 0120 21


Poprat Saar: Webinare zur Selbsthilfe

PopRat Saarland (Foto: PopRat Saarland e.V.)

„Fight the crisis, and be ready for the after-shows!“: Der PopRat Saarland bietet zusammen mit der Arbeitskammer des Saarlandes und der Popscene Kulturschaffenden aus der Musikbranche, aber auch aus anderen Kultur- und Kreativgenres, kostenlose Online-Workshops von Kreativ-Business-Profis an. Diese Online-Seminare bieten einerseits Hilfe zur Selbsthilfe in der Corona-Krise und vermitteln andererseits auch nachhaltiges Wissen für die Zeit nach der Krise und für einen gelingenden Reset nach Corona.

Die Webinare gibt es zweimal in der Woche, jeden Montag und Donnerstag, jeweils um 19.30 Uhr. Start ist am Montag, 20. April, 19.30 Uhr, auf Zoom.

Mehr Informationen und Anmeldungen über die Seite der Initiative:
https://www.poprat-saarland.de/fightthecrisis/


"Virtuelles Produktionshaus" der Freien Szene Saar

Das "virtuelle Produktionshaus" (Foto: Freie Szene Saar)

Das Netzwerk Freie Szene Saar hat mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung und Kultur ein Onlineprojekt ins Leben gerufen, um in der Corona-Zeit neue Ideen umzusetzen. In dem "virtuellen Produktionshaus“, einer neu eingerichteten Facebookseite, könnnen Künstler ihre Kunst ins Netz bringen und präsentieren.

Der Aufruf habe bereits in der ersten Runde großen Zuspruch gefunden, erklären die Initiatoren. Es wurden mehr Beiträge vorgeschlagen, als das Fördervolumen fasst. Zehn Beiträge sind bereits produziert. Deshalb möchte das Netzwerk nun eine zweite Runde starten, um Vielen die Möglichkeit zur Beteiligung zu geben.

Weitere Informationen gibt es unter: freieszenesaar.de und auf der Facebook-Seite.


#wirliefernkultur

Logo von #wirliefernkultur (Foto: #wirliefernkultur)

Unter dem Titel #wirliefernkultur haben das Magzin Popscene und der PopRat Saarland eine Online-Festival-Plattform ins Leben gerufen. Dort sollen Online-Events aller Art wie bei einer klassischen Präsenzveranstaltung mit Termin angekündigt, in den Ticketvorverkauf gestellt, beworben und in einem geschlossenen, exklusiven Rahmen virtuell aufgeführt werden.

Ganz klassisch erhalten die Künstler dafür auch ihre Gage, die sich nach der Menge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer richtet. Ein Teil der Einnahmen wird außerdem für einen guten Zweck gespendet.

Die Initiatoren rufen Künstlerinnen und Künstler im Saarland dazu auf, die Plattform für sich und ihre Aktionen und Auftritte zu nutzen. Gesucht werden explizit nicht nur Musiker, sondern auch Künstler aus allen Kreativ-Bereichen, seien es Schauspielerinnen, Zauberer, Bildende Künstler, Comedians, Poetry Slam-Akteurinnen und -Akteure und viele mehr.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite von Popscene.


Save your culture: Stream der Hoffnung

Save your Culture: Stream der Hoffnung (Foto: Veranstalter)

Das Silodom hat die Aktion "Save your culture: Stream der Hoffnung" gestartet. Unter diesem Titel bietet einer der Techno-Clubs der Großregion jeden Freitag und Samstag Streams auf seinem Facebook- und Instagram-Kanal an. Alle Zuschauer*innen können die DJanes und DJs ganz einfach per Paypal-Überweisung unterstützen. Von 20 bis 24 Uhr bietet das "Silo" dabei aber nicht nur Musik, sondern auch Talks und viele weitere Aktionen.

Mehr Informationen dazu auf der Seite von Save your culture.


Quasi.Live

RESAREVOIR AUDIOVISUÄL, eine Gruppe junger Film- und Medienmacher, hat Quasi.Live initiiert. Das Projekt richtet sich vorwiegend an Bands, Musikerinnen und Musiker, Kunst- und Kulturschaffende, sowie Kneipen und Kulturstätten mit coronabedingten Existenzproblemen.

Neben dem Booking von verschiedenen jungen und lokalen Bands stellt die Gruppe eine technische Streaming-Infrastruktur für eine professionelle Übertragung von Bild- und Toninhalten zur Verfügung. Gestreamt wird auf Facebook, YouTube und Twitch.

Der Eintritt zu den virtuellen Veranstaltungen ist frei, Spenden werden jedoch erbeten und gehen komplett an die Bands und Locations. Alle Übertragungen und weitere Informationen gibt es auf der Seite von Quasi.Live.


Das Kunst-Care-Paket

Das Künstlerpaar Katharina Krenkel und OW Himmel hat ein Künstler-Care-Paket geschaffen. Und das soll nicht nur den Kreativen, sondern auch den Kunsthungrigen zu Gute kommen. Im Netz: owhimmel.de

Künstler in der Corona-Krise
Katharina Krenkel und OW Himmel


Weitere Fragen und Antworten

Die Kollegen von MDR Kultur haben ein umfassendes Dossier zusammengestellt mit wichtigen Fragen und Antworten für Künstlerinnen und Künstler, die von der Corona-Krise betroffen sind:

mdr.de
Fragen und Antworten zu Hilfen für freischaffende Künstler
Der Kampf gegen das Coronavirus hinterlässt überall seine Spuren - besonders auch in der Kulturbranche. Waren es zunächst größere Veranstaltungen, die nicht mehr stattfinden durften, ist der Kulturbetrieb mittlerweile gänzlich zum Erliegen gekommen. Besonders betroffen davon: freischaffende Künstlerinnen und Künstler. Bei ihnen führen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu existenzbedrohenden Honorarausfällen. Was freischaffende Künstler jetzt wissen müssen.

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