Konzertsaal, Espace Gouvy Freyming Merlebach  (Foto: SR Fernsehen)

Wie Künstlerinnen und Künstlern jetzt geholfen wird

Eine Übersicht über die verschiedenen Corona-Hilfsprogramme

Martin Breher   24.03.2020 | 12:00 Uhr

Die Corona-Pandemie trifft die Kunst- und Kulturszene besonders hart. Viele Künstlerinnen und Künstler bangen um ihre Existenz. Bund, Länder und viele weitere Institutionen haben Hilfsprogramme aufgelegt. Ein Überblick.

Unterstützung der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat zur Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen. Damit die Hilfen möglichst schnell ankommen, soll der Bundestag bereits am Mittwoch, 25. März, und der Bundesrat am Freitag darauf diesen Maßnahmen im Schnellverfahren zustimmen.

Die Hilfen umfassen unter anderem einen leichteren Zugang zur Grundsicherung, etwa durch den Wegfall der Vermögensprüfung und Soforthilfen für Kleinstunternehmen und Soloselbständige: Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten eine Einmalzahlung bis zu 9.000 Euro, bei bis zu zehn Beschäftigten fließen bis zu 15.000 Euro, jeweils für drei Monate.

Darüber hinaus wurden Erleichterungen im Miet- und Insolvenzrecht beschlossen. Für Künstler, die coronabedingt mit ihrer Miete im Rückstand sind, gilt ein eingeschränktes Kündigungsrecht. Die Insolvenzantragspflicht für betroffene Unternehmen wird ausgesetzt.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird Unternehmen bei der Bewältigung der Coronakrise unterstützen, indem sie die kurzfristige Kreditvergabe erleichtert. Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler, die diese Unterstützung nutzen möchten, müssen sich direkt an ihre Hausbank wenden.

Auch die Künstlersozialversicherung kommt den Kreativen entgegen. Bei Versicherten, deren Einkommensprognose sich verändert hat, besteht die Möglichkeit, die Beiträge zu senken. Bei akuten Zahlungsschwierigkeiten können zudem individuelle Zahlungserleichterungen gewährt werden. Für Unternehmen können die monatlichen Vorauszahlungen reduziert werden, Zahlungserleichterungen sind ebenfalls möglich.

Selbstständige und Freiberufler, die aufgrund des Coronavirus einem beruflichen Tätigkeitsverbot unterliegen und dadurch einen Verdienstausfall erleiden, können nach § 56 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) eine Entschädigung erhalten. Anlaufstelle hierfür ist das Gesundheitsamt.

Bei von Kulturstaatsministerin Monika Grütters geförderten Projekten wird weitestgehend auf Rückforderung von Fördermitteln verzichtet. Eine flexible Umwidmung von Fördermitteln soll ermöglicht werden, wenn Projekte in anderer Form stattfinden - etwa wenn Konzerte nicht mehr als Live-Veranstaltung, sondern als Stream im Internet stattfinden.

Alle Informationen zum Hilfsprogramm der Bundesregierung finden Sie auf der Webseite der Bundesregierung.

Maßnahmen des Landes

Was bringt die saarländische Soforthilfe?
Die saarländischen Kulturschaffenden in der Corona-Krise
Die saarländische Landesregierung hat die Künstler- und Kulturschaffenden in das Soforthilfe-Programm aufgenommen. Ob es was nutzt und wie das funktioniert - darüber berichtet SR-Kulturreporterin Barbara Grech

Auch das Saarland will Hilfen für Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung stellen. Auch für diese gelte das 30-Millionen-Euro-Sofortprogramm des Landes, betonte Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).

Je nach bisherigem Jahresumsatz können als Soforthilfe Zuschüsse zwischen 3000 und 10.000 Euro beantragt werden. Zudem soll es möglich sein, Steuern zu stunden und Vorauszahlungen etwa bei der Einkommenssteuer unkompliziert anzupassen.

Kulturelle Projekte, deren Förderung bereits zugesagt wurde, müssen sich nicht an eine zeitliche oder örtliche Vorgabe halten. Das heißt, Produktionen können nachgeholt werden oder ins Digitale übertragen werden.

Das Soforthilfeprogramm der Bundesregierung ist dem des Landes gegenüber vorrangig, eine mehrfache Inanspruchnahme ist nicht möglich, heißt es aus dem Ministerium.

Alle Informationen zu den Coronahilfen des Saarlandes finden Sie auf der Webseite der Landesregierung.

Hilfe von den Verwertungsgesellschaften

Die GEMA, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, vertritt die Künstler und ihre Urheberrechtsansprüche. Für "individuelle Härtefälle" gewährt die GEMA Übergangshilfen. Außerdem müssen Betriebe in der Zeit, in der sie geschlossen bleiben müssen, keine Vergütung an die GEMA zahlen.

Mitglieder und Kunden finden weitere Informationen auf der Webseite der GEMA.

Interview: GVL-Geschäftsführer Thilo Gerlach
"Unsere Mittel sind bescheiden"

Die GVL, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, vertritt im Gegensatz zur GEMA nicht die Rechte der Urheber, sondern die der Interpreten. Als Notmaßnahme für freiberufliche Künstler zahlt die GVL als Soforthilfe 250 Euro, um Ausfälle von Konzerten und Produktionen abzufedern. An weiteren Hilfsmaßnahmen wird gearbeitet.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der GVL.

Hilfen für freie Orchestermusiker

Die Deutsche Orchester-Stiftung hat einen Nothilfefonds eingerichtet, in den jeder einzahlen kann. Die Spenden sollen dabei helfen, die ersten kritischen Tage und Wochen zu überbrücken, bis die staatlichen Hilfen organisiert sind. Den Antrag finden Musiker auf der Internetseite der Orchester-Stiftung.

Spendenkonto
Deutsche Orchester-Stiftung
Kennwort: Nothilfefonds
IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05
BIC:   COBADEFFXXX

Auch die Deutsche Orchestervereinigung DOV hat für ihre freischaffenden Mitglieder eine Notfallunterstützung eingerichtet. Freischaffende, die aufgrund ihrer persönlichen Einkommenssituation sozial akut hilfsbedürftig sind, können Hilfen beantragen. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite der DOV.

Weitere Fragen und Antworten

Die Kollegen von MDR Kultur haben ein umfassendes Dossier zusammengestellt mit wichtigen Fragen und Antworten für Künstlerinnen und Künstler, die von der Corona-Krise betroffen sind:

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