Berlinale 2020: Viel Mittelmaß, wenig Festivalflair

Viel Mittelmaß, wenig Festivalflair

Ein Gespräch mit SR-Kinoexperte Oliver Hottong über seine Beobachtungen von der Berlinale 2020

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   28.02.2020 | 07:45 Uhr

Auf der Berlinale will für SR-Filmkritiker Oliver Hottong so keine richtige Stimmung aufkommen: Viele mittelmäßige Filme, ein steriles Ambiente und kaum ein Wort über den Niedergang des klassischen Spielfilms prägen für ihn den Jahrgang 2020. Einen neuen Lieblingsfilm hat Hottong trotzdem schon gefunden.

Oliver Hottong (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Oliver Hottong

Auf der Berlinale herrscht für SR-Filmkritiker Oliver Hottong 2020 eine besonders merkwürdige Stimmung: Rund um das zentrale Kino am Potsdamer Platz wolle aufgrund von Bauarbeiten und eines geschlossenen CineStar-Multiplexkinos nicht wirklich gute Laune aufkommen. Viele Filme verorte er eher im Mittelmaß, und auch die Auseinandersetzung mit dem Niedergang des klassischen Spielfilms angesichts der TV-Serien-Konkurrenz bei Streaming-Anbietern werde erstaunlicherweise kaum thematisiert.

Geheimtipp: "First Cow"

Einen eigenen Lieblingsfilm des Jahrgangs hat Hottong trotzdem schon gefunden. Sein Urteil über das amerikanische Independent-Movie "First Cow" von Kelly Reichardt: ein Film "mit Herz und Stil, so ein richtiger Aha-Film". Ein Rückblick auf das größte deutsche Film-Event zwei Tage vor der großen Preisgala.

"First Cow"

USA 2019, ca. 122 Min.
Regie: Kelly Reichardt

Darsteller: John Magaro, Orion Lee, Toby Jones, Scott Shepherd, Gary Farmer u. a.


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Audio [SR 2, Alexander Soyez, 28.02.2020, Länge: 02:54 Min.]
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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 28.02.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivfoto ganz oben zeigt den Roten Teppich vor dem Berlinale Palast am Potsdamer Platz während der feierlichen Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele (Foto: dpa / Gregor Fischer).

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