Don Carlos am SST: "Es qualmt, raucht und nebelt in einer Tour"

"Es qualmt, raucht und nebelt in einer Tour"

"Don Carlos" feierte am 24. Januar Premiere am Saarländischen Staatstheater

Audio: Christian Ignatzi   30.01.2019 | 08:00 Uhr

Don Carlos, die gewaltige Oper in fünf Akten von Guiseppe Verdi. Am 24. Januar feierte sie im Großen Haus des Saarländischen Staatstheaters Premiere - in einer Inszenierung von Roland Schwab. SR-Reporter Chris Ignatzi mit einer Premierenkritik.

"C’est un rêve" – das ist ein Traum, sagt Rodrigo zu König Philipp, als der ihn zu seinem Vertrauten machen will. Damit holt er die Zuschauer im Saarländischen Staatstheater etwa zur Hälfte des dreieinhalbstündigen Verdi-Werks Don Carlos ab. Denn wie in einem Traum fühlen auch sie sich. Wie in einer Todesvision des Prinzen von Spanien, der verrückt geworden zu sein scheint.

"Delirium eines Selbstmörders"

So zumindest stellt ihn der meisterhaft spielende Tenor Angelos Samartzis dar, der nach einer Kamerafahrt auf dem Vorhang durch den nächtlichen Wald von Fontainebleau die erste Überraschung parat hat. Die Bühne zeigt eine Tunnelkurve, die auf einen Fluchtpunkt zuläuft und sie scheinbar unendlich wirken lässt. An der Wand liegt rauchend und qualmend ein Auto auf dem Dach und aus der Tür kämpft sich Don Carlos heraus, blutüberströmt.

Verdioper im Autotunnel - der Saarbrücker Don Carlos (29.01.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 29.01.2020, Länge: 05:04 Min.]
Verdioper im Autotunnel - der Saarbrücker Don Carlos (29.01.2020)
Was macht ein Porsche am spanischen Hof des 16. Jahrhunderts? Bühnenbildner Piero Vinciguerra schafft für Verdis "Don Carlos" eine Kulisse, die das Königsdrama zu einem zeitlosen Gleichnis über Macht und Ohnmacht macht. Don Carlos weiß keinen Ausweg mehr. Er liebt seine Stiefmutter, und sein Vater ist ein skrupelloser Machtmensch. Die Katastrophe ist programmiert. Das ist der zeitlose Kern von Giuseppe Verdis Oper "Don Carlos", die ursprünglich in der Zeit der Inquistion spielt.

Eine Szene aus der Oper "Don Carlos" im Saarländischen Staatstheater (Foto: Staatstheater / Astrid Karger)

Don Carlos, durchgehend in einer Autounfallszene in einem Tunnel - Regisseur Roland Schwab beschreibt dieses Bildnis selbst als Delirium eines Selbstmörders. Er zeichnet Don Carlos als eine Figur, die in der Paralyse der Extreme aus Staat und Kirche mit extremen Dynamiken einen Ausweg sucht und – buchstäblich aus der Kurve fliegt. Ein Mensch, der sein Leben an die Wand fährt. Aus diesem Bild erzählt Schwab die Rückblicke eines Selbstmörders in fünf Akten.

"Hollywood-Gangsterstreifen"

Bühnenbildner Piero Vinciguerra schafft eine Ästhetik, die an einen Hollywood-Gangsterstreifen erinnert. Es qualmt, raucht und nebelt in einer Tour. Don Carlos in Saarbrücken besticht durch eine frische Inszenierung, grandiose Darsteller und einer Musik, die unter der Leitung von Generalmusikdirektor Sébastien Rouland gemeinsam mit dem brillianten Orchester zu einem großen Ganzen zusammenwächst.

Regisseur Roland Schwaab hat Don Carlos in die Moderne geholt. Es ist ein Experiment, das Mut erfordert. Und es ist eines, das dem Münchner geglückt ist.


Auf einen Blick


Eine Szene aus der Oper "Don Carlos" im Saarländischen Staatstheater (Foto: Staatstheater / Astrid Karger)

DON CARLOS
Oper von Giuseppe Verdi,
Libretto von Joseph Méry und Camille Du Locle
Nach einem Drama von Friedrich Schiller

Ort:
Großes Haus, Saarländisches Staatstheater, Saarbrücken

Dauer
225 Min , Einführung 30 Min. vor Beginn

Weitere Termine
Samstag, 01.02.2020, 19.00 Uhr
Sonntag, 09. 02.2020, 18.00 Uhr
Dienstag, 11.02.2020, 19.00 Uhr
Samstag, 15. 02.2020, 19.00 Uhr
Donnerstag, 27. 02.2020, 19.00 Uhr
Sonntag, 01.03.2020, 14.30 Uhr
Sonntag, 15.03.2020, 18.00 Uhr
Mittwoch, 01.04.2020, 19.00 Uhr
Sonntag, 12. 04.2020, 18.00 Uhr
Samstag, 18.04.2020, 19.00 Uhr
Samstag, 25.04.2020, 19.00 Uhr

Besetzung
Musikalische Leitung Sébastien Rouland
Inszenierung Roland Schwab
Bühnenbild Piero Vinciguerra
Kostüme Renée Listerdal
Lichtdesign André Fischer
Dramaturgie Frederike Krüger
Einstudierung Chor Jaume Miranda

Weitere Informationen unter:
www.staatstheater.saarland/nc/stuecke/

U. a. Thema in den Sendungen vom 25.01.2020 "Der lange Samstag" auf SR 2 KulturRadio und "Region am Samstag" auf SR 3 Saarlandwelle.

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