Glosse: Warum im Saarland ein spektakulärer Kunstraub äußerst unwahrscheinlich ist

Nix zu klauen im Saarland?

Warum im Saarland ein spektakulärer Kunstraub äußerst unwahrscheinlich ist

Barbara Grech   27.11.2019 | 16:55 Uhr

Könnte so ein gewiefter Coup wie der Raubzug im historischen "Grünen Gewölbe" von Dresden auch im Saarland passieren? Welche Schätze sind bei uns in Gefahr? SR-Kunst-Expertin Barbara Grech kommt bei solchen Fragen doch gehörig ins Schmunzeln... Eine Glosse.

Eine Milliarde Euro! So richtig gibt's ja keiner zu: Aber all die Diamant- und Brilliant-Schmuckstücke, die da aus dem Grünen Gewölbe geraubt wurden, sollen eine Milliarde Euro wert sein. Und da fragen doch meine unbedarften Kollegen in der Redaktion: Was könnte im Saarland soviel wert sein, dass es gestohlen werden könnte?

Wahrscheinlich ist das ganze Saarland nicht mal 'ne Milliarde wert... Aber Spaß beiseite: Woher sollen sie den kommen? All die Diamanten? Wenn man doch weiß, dass schon das Fürstentum Nassau-Saarbrücken notorisch von der Pleite bedroht war. Aus lauter Not hat man dann den Bergbau an der Saar eingeführt... um wenigsten einige Taler in die klamme Staats-Kasse zu spülen.

Das bisschen barocke Nichts ist dann beim Brand des Saarbrücker Barock-Schlosses 1793 in Flammen aufgegangen. Gut, davon gibt es ein Gemälde von Johannes Friedrich Dryander - nur gehört der leider nicht zu den ausgereiften und somit wertvollen Barock-Künstlern. Der Rest vom Schützenfest steht dann in der Alten Sammlung... also wenn man da mal eine Million zusammenkratzen... hätten wir ja mal einen Anfang, für attraktives Diebes-Gut.

Was hätten wir denn noch zu bieten... Ach ja... in der Alten Sammlung stehen ja auch noch so ein paar Porzellan-Stücke rum. Ottweiler Porzellan... tatsächlich gehört dieses Porzellan zu dem teuersten der Welt. Wertvoller als so manches Stück aus Meissen... Aber wissen sie warum? Weil es gerade mal noch 125 Stück weltweit gibt. Das ist der kurzen Produktionszeit geschuldet: Gerade mal 50 Jahre wurde in Ottweiler Porzellan produziert. Dann war - dank der französischen Revolution - Schluss. Der Witz an der Sache: Viele Stücke sind aus eher minderwertigem Material. Weil auch über der Porzellan-Manufaktur ständig der Pleitegeier kreiste, sparte man an dem so wichtigen Kaolin, das für den Glanz und das Weiß im Porzellan sorgt. Ist aber heute egal - wertvoll ist es und um die 50 Stücke soll es ja im Saarland noch geben. Müsste das Ocean-Eleven-Team allerdings zusammenklauben, da im Privatbesitz... also auch nicht so der ideale Beute-Fall!

Apropos Porzellan: Tatsächlich hat die Familie von Boch mal über eine ansehnliche Kunstsammlung verfügt. Eugène von Boch und seine Schwester Anna haben selbst gemalt und gesammelt. Sogar ein Van-Gogh war in der Sammlung. Das wäre doch mal was - gewesen! Denn die Nachfahren haben, leider, leider, die Sammlung in kleinkrämerischen Manier versilbert. Na ja. Jetzt kann der Van Gogh auch nicht geklaut werden.

Tja. Kein Van Gogh, minderwertiges Porzellan, aber immerhin mit Seltenheitswert... Was hätten wir denn noch zu bieten? Was annähernd eine Räuberbande ins Saarland locken könnte? Ich hab's: der weiße Riese von Göttelborn! Das Mahnmal versunkener Millionen! Gut: Eine Milliarde wie die Diamanten in Dresden ist der zwar nicht wert. Aber, immerhin, satte 200 Millionen wurden damals in den Sand gesetzt. Das ist doch mal 'ne Summe!

Gut: Das mit dem Einpacken und Abtransportieren bedarf einer gewissen Logistik. Dafür gibt's keine schlecht funktionierende Alarmanlage! Auch was wert! Und wir hätten unser Mahnmal los! Kann mal einer die Räuber von Dresden kontaktieren?

Okay. Wir haben keine Kronjuwelen. Unsere prähistorischen Funde, wie die des Keltinnen-Grabes Reinheim, gibt's woanders umfangreicher und kostbarer. Aber ein Gutes hat das Ganze ja: Wir können uns die aufwändigen Alarm-Anlagen sparen.

Mehr über das "Grüne Gewölbe" von Dresden:

tagesschau.de: Raubzug in Dresden
Eine der reichsten Schatzkammern Europas
Das Grüne Gewölbe in Dresden zählt zu den bekanntesten Museen Deutschlands. Hier lagern besonders wertvolle Juwelen und andere Kunstschätze - jedes Jahr kommen zahlreiche Besucher.


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 27.11.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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