Als die Kriegspanoramen die Menschen fesselten

Als die Kriegspanoramen die Menschen fesselten

Ein Interview mit dem Autor und Dokumentarfilmregisseur Rüdiger Mörsdorf

Jochen Marmit   05.08.2019 | 15:40 Uhr
Rüdiger Mörsdorf im SR-Studio (Foto: SR/Ida Kammerloch)
Rüdiger Mörsdorf im SR-Studio


Die Schlacht bei Spichern - in Frankreich auch "Bataille de Forbach" genannt - fand am 6. August 1870 mitten im Deutsch-Französischen Krieg statt.

Der Fernsehsender ARTE zeigt am späten Abend des 149. Jahrestages die SR/France 3-Koproduktion "Kriegspanoramen – Die Entdeckung eines Massenmediums". SR-Moderator Jochen Marmit hat mit dem Regisseur Rüdiger Mörsdorf über das längst vergessene, riesige Schau-Medium in der Vor-Kino-Ära und seine Wirkung gesprochen: "Es ist wirklich ein Phänomen, dass mit diesen Panoramen zum ersten Mal Geschichten über Bilder ein Massenpublikum bekommen haben".

Gleicher Krieg, andere Bilder

Besonders interessant ist für Mörsdorf die Tatsache, dass sowohl das 1870/71 unterlegene Frankreich als auch das siegreiche Deutsche Reich große Panoramen zu den gleichen Kriegsgeschehnissen in Auftrag gaben - aber die fertigen Kriegspanoramen sich doch sehr deutlich unterschieden. Während das deutsche Gemälde so etwas wie einen Gründingsmythos darstelle, ging es auf französischer Seite hauptsächlich darum, sich neu zu definieren.

Ein Kriegspanorama aus dem Dokumentarfilm "Kriegspanoramen – Die Entdeckung eines Massenmediums" von Rüdiger Mörsdorf (Foto: SR/France 3/arte)
Ein Kriegspanorama aus dem Dokumentarfilm "Kriegspanoramen – Die Entdeckung eines Massenmediums" von Rüdiger Mörsdorf


TV-Tipp:

Dienstag, 6. August 2019, 23.00 bis 23.50 Uhr auf arte:

Kriegspanoramen
– Die Entdeckung eines Massenmediums

Frankreich 2018, France 3/SR
Regie: Rüdiger Mörsdorf

[Trailer zum Film]

Aus dem Pressetext: Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 ist heute fast vergessen – verschüttet von zwei Weltkriegen. Dabei beeinflussen die Bilder, die damals entstanden, unser Denken bis heute. In den Herzen vieler europäischer Metropolen entstanden Rotunden, die in ihrem Innern gewaltige Rundgemälde beherbergten und ein Millionenpublikum erreichten: das erste Bild-Massenmedium. Im Mittelpunkt des Films stehen ein deutsches und ein französisches Kriegspanorama, deren Aufgabe es war, das neue politische Selbstverständnis beider Staaten in den Köpfen der Betrachter zu verankern. Beide wurden später zerstört, doch der Film rekonstruiert sie und zeigt, wie sie Deutsche und Franzosen dauerhaft geprägt haben.


Ein Kriegspanorama aus dem Dokumentarfilm "Kriegspanoramen – Die Entdeckung eines Massenmediums" von Rüdiger Mörsdorf (Foto: SR/France 3/arte)
Ein Kriegspanorama aus dem Dokumentarfilm "Kriegspanoramen – Die Entdeckung eines Massenmediums" von Rüdiger Mörsdorf (Foto: SR/France 3/arte)


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 05.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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