"Der große Unbequeme mit dem Trachtenhut"

"Der große Unbequeme mit dem Trachtenhut"

Erinnerungen an den bayrischen Literaten Oskar Maria Graf

Sky Nonhoff / Onlinefassung: Raphael Klein   21.07.2019 | 16:45 Uhr

Am 22. Juli wäre der bayerische Volksschriftsteller Oskar Maria Graf, längst ein Klassiker der deutschen Literatur, 125 Jahre alt geworden. Sky Nonhoff über einen großen Unbequemen, der wie kein anderer pralles Leben, Scharfsinn und Zivilcourage unter dem Trachtenhut vereinte.

"Jeder Dialekt, und unserer altbayerischer ganz besonders, hat eine bestürzende Art des Profanierens. Es ist auch ein ganzer Haufen Bosheit dareingemischt, gegen deren spezifische Direktheit keine Schlagfertigkeit aufkommt." Diese Sätze stammen von dem bayerischen Volksschriftsteller und enfant terrible Oskar Maria Graf, der selbst im New Yorker Exil stets in Lederhosen ausging.

Krachlederne Exzesse

An Graf schieden sich nicht nur die bayerischen Geister, die er als "animalisch Gefallsüchtige" und als ein "Volk von blöden Seppeln" beschrieben hatte. Seinen Durchbruch feierte der am 22. Juli 1894 im bayrischen Berg geborene Schriftsteller 1927 mit seinem autobiografischen Werk "Wir sind Gefangene", in dem er auf seine derb-drastische Erzähweise den 1. Weltkrieg, Befehlsverweigerung, Irrenhausaufenthalt, Münchner Revolution und Schwabinger Bohème schilderte.

Seine rebellische und postmoderne Ausdrucksweise war so derb, dass Grafs Texte sogar heute noch auf der Website der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft nur gekürzt zu lesen sind.

"Hier herrscht Sexualdemokratie, bitte"

Als vermeintlicher Bauerndichter wurde Graf oft verkannt - auch zu Lebzeiten schon von den Nazis, die seinen Hang zum Dialekt als volkstümliche Bodenständigkeiten interpretiert und versucht hatten, Graf für sich zu gewinnen.

Doch von den Nazis wollte Graf nichts wissen. Nachdem er auf der NS-Liste für empfohlene Bücher gelandet war, hatte er diese brieflich dazu aufgefordert, auch seine Bücher zu verbrennen - was dann auch geschah, inklusive Ausbürgerung. 1933 floh Graf, ein überzeugter Kommunist, vor den Nazis in die USA, wo er am 28. Juni 1967 in New York City verstarb.

Ein Thema in der Sendung "Canapé" vom 21.07.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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