Was tun mit guter Kunst von bösen Künstlern?

Was tun mit guter Kunst von bösen Künstlern?

Ein Gespräch mit Andrea Jahn, Direktorin der Saarbrücker Stadtgalerie

Barbara Renno   25.06.2019 | 07:20 Uhr

Manch exzentrischer Künstler nimmt sich zuweilen einige Dinge heraus, die uns vom moralischen Standpunkt aus gesehen alles andere als bewunderswert vorkommen. Der große expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner beispielweise war dafür bekannt, seine minderjährigen Modelle nicht nur zu malen, sondern auch sexuell auszunutzen. Sein Kollege Emil Nolde war Antisemit.

Einfach abhängen? Nein!

Müssen wir ihre Kunstwerke also von Museumswänden abhängen? Nicht unbedingt, meint Andrea Jahn, die Direktorin der Saarbrücker Stadtgalerie. "Wir können jetzt nicht alle verteufeln, die vielleicht unter anderen moralischen Voraussetzungen künstlerisch gearbeitet haben", erläuterte Jahn ihren Standpunkt, "wir müssen es nur wissen, sagen, benennen und auch als Problem darstellen."

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 25.06.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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