Glosse: Wale gehören in den Zoo!

Wale gehören in den Zoo!

Eine Glosse von Erik Heinrich

  11.09.2018 | 08:32 Uhr

Würden Sie zu einer Delfinshow gehen? Oder sagen sie: Nein, Delfine und vor allem Wale, gehören nicht in einen Zoo. Unser Kolumnist Erick Heinrich sagt: Aber bitte doch! Besser, als wenn sie auf offenem Meer gejagt werden...

Vor einigen Jahren begegnete ich einem Orca, also einem dieser großen schwarz-weißen eleganten Raubwale, in einem Delphinarium in Südfrankreich. Er im Wasser auf der einen Seite der dicken Glasscheibe, ich auf der anderen. Wir schauten uns lange in die Augen, genauer, ich schaute mit beiden in sein eines Auge, aus etwa 30 cm Entfernung. Wirklich, ich bin nicht übermäßig sentimental und habe keine transzendente Beziehung zu Tieren oder so. Aber in diesen Augenblicken hatte ich das kaum beschreibbare schöne und traurige Gefühl einer tiefen Verständigung durch die Trennscheibe zwischen einem wunderbaren Wesen und mir.

Ich dachte: was für ein dämlicher Fehler, dass wir damals vom Wasser zurück aufs Land gegangen sind, wir könnten heute eine große Freundschaft mit Walen haben.

Durch Flipper sozialisiert

Klar, alle haben Wale und Delphine ganz doll lieb, vor allem wir Flipper-sozialisierten Amis und Westeuropäer. Wir haben uns längst moralisch von unseren fiesen Vorfahren emanzipiert, die beim Schummerlicht der Waltranfunzeln zusammenhockten, bei denen Korsetts aus "Walbein" und Golftaschen aus Blauwalpenissen Statussymbole waren.

Wir stehen moralisch über Japanern, die Wale, wie perfide, aus "wissenschaftlichen Gründen" killen und dann doch auffuttern und Isländern, bei denen der Waltod Folklore ist. Wir würden nimmer in die beiden letzten deutschen Delphinarien in Duisburg oder Nürnberg gehen, wo mit gequälten Kreaturen Geschäfte gemacht werden.

Walshow statt Walfang?

Aber Klartext: Wir heucheln uns was vor! Delphinhaltung in Aquarien ist zurecht umstritten, doch die Zoo-Delphine begeistern die Massen und die Forschung an gefangenen Delphinen hat immerhin Ergebnisse erzielt, die dem Schutz freier Delphine nützen können. Und das, was Japaner oder Norweger an Meeressäugern töten, ist nur ein kleiner Teil der Verluste.

Wissen Sie, was viel, viel übler ist? Wir Kreuzfahrttouristen – schau mal, Liebling, da hinten, da bläst er! - die das Klima versauen und den Lärm in den Weltmeeren vermehren. Wir Konsumenten, die Thunfisch auf der Pizza mögen. Schlimm für die Thunfische und schlimm für die zahllosen Delphine, die als "Beifang" verrecken. Wir, die Lachs billig kaufen aus den Lachsfarmen in Chile und Norwegen, die furchtbare Umweltzerstörer sind und die Meere leerfischen, denn für die industrielle Erzeugung von einem Kilo Lachs braucht es drei Kilo Fisch – Nahrung, die Delphinen fehlt.

Da gehe ich doch lieber für einen sentimentalen Nachmittag zu den Delphinen in den Zoo und lasse das Lachsbrötchen liegen.


Mehr zum Thema:

Interview mit Thilo Maack von Greenpeace
"Kommerzieller Walfang im Gewande der Forschung"
Die Internationale Walfangkommission berät in dieser Woche in Brasilien darüber, ob das Walfang-Verbot gelockert werden soll. Thilo Maack von Greenpeace erklärt im SR 2-Interview, dass der Antrag von Japan aber kaum Aussicht auf Erfolg habe. Die Begründung, den Walfang zu Zwecken der Forschung zu nutzen, sei ein reines Alibi, meint der Meeresbiologe.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 11.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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