"Traditionell, holzschnittartig, aber sehr wirkungsvoll"

"Traditionell, holzschnittartig, aber sehr wirkungsvoll"

Interview: Jochen Erdmenger / Foto: dpa, Disney

Ein Gespräch mit Filmredakteur Peter Claus über den deutschen Wettbewerbskandidat von Venedig: "Werk ohne Autor"   05.09.2018 | 08:25 Uhr

Am 4. September wurde "Werk ohne Autor" im Wettbewerb des 75. Filmfestivals von Venedig uraufgeführt. Und er hat durchaus Chancen, sich im Rennen um den Goldenen Löwen gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen, meint Filmexperte Peter Claus.

Ihm selbst habe das epische Drama über Freiheit, Kunst und Verantwortung am Beispiel des Malers Kurt Barnert (Tom Schilling, Foto: dpa) "sehr gut gefallen, genau deshalb, weil er traditionelle Muster des Erzählens benutzt", sagte Claus im SR 2-Interview. "Ja, der ist konservativ, ja, der nutzt Klischees, ja, der ist holzschnittartig, aber er erreicht mich, er packt mein Herz, er trägt mich davon, aber er schaltet meinen Kopf nie aus."

2019 zweiter "Oscar" für von Donnersmarck?

Florian Henckel von Donnersmarcks erst dritter Spielfilm "Werk ohne Autor" konkurriert nicht nur um den Goldenen Löwen von Venedig, sondern 2019 auch um dem "Oscar" für den besten nicht-englisch-sprachigen Film. Von Donnersmarck hatte den Auslandsoscar bereits vor 13 Jahren für "Das Leben der anderen" gewonnen.

Donnersmarck über sein "Werk ohne Autor"
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 05.09.2018, Länge: 02:25 Min.]
Donnersmarck über sein "Werk ohne Autor"
Florian Henckel von Donnersmarcks dreistündiges Drama erzählt von einem Künstler, der zur NS-Zeit aufwächst, im SED-Regime der DDR erste Erfolge feiert und nach seiner Flucht in nach Westdeutschland einen Neuanfang wagt. Dabei sind Parallelen zum Leben des Malers Gerhard Richter bewusst angelegt, wie Regisseur von Donnersmarck einräumt.


"Werk ohne Autor"

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck"
D 2018
Länge: ca. 188 Minuten
Deutschlandstart: 3. Oktober 2018

Darsteller: Tom Schilling, Paula Beer, Sebastian Koch, Saskia Rosendahl, Ina Weisse, Florian Bartholomäi, Hans-Uwe Bauer, Cai Cohrs u. v. a.


Archiv: Filmfestspiele Venedig 2018:

Weltpremiere in Venedig
"Werk ohne Autor" von Florian Henckel von Donnersmarck
Der dritte Spielfilm von Florian Henckel von Donnersmarck, "Werk ohne Autor", feiert am Abend seine Weltpremiere in Venedig. Für SR 2 KulturRadio hat Jan-Christoph Kitzler das ambitionierte dreistündige Drama und Kunst, Freiheit und die deutsche Geschichte dies- und jenseits der "Mauer" bereits gesehen.

Biennale - Venedig 2018
Gänsehaut nach dem Eröffnungsfilm
Zum Auftakt der 75. Filmfestspiele von Venedig wurde am Abend des 29. August das Astronautendrama "First Man - Aufbruch zum Mond" von Damien Chazelle gezeigt. Ryan Gosling verkörpert darin den Mondfahrer Neil Armstrong als stoisch-todesverachtenden Patrioten. Das "uneindeutige" Werk kam nicht bei allen Zuschauern gut an, wie Filmexperte Peter Claus im SR 2-Interview berichtet. Auch er selbst habe das Kino "mit einer ziemlichen Gänsehaut" verlassen. SR 2-Moderator wollte mehr über den Eröffnungsabend wissen: Welche Chancen hat der deutsche Wettbewerbsbeitrag von Florian Henckel von Donnersmarck? Wie gehen die Festivalmacher mit der Netflix-Konkurrenz um? Was macht die Frauenquote in der Filmbranche? Und wie teuer sind eigentlich die Hotelzimmer in Venedig?

Biennale - Venedig 2018
Das Rennen um den Goldenen Löwen
Im Biennale-Jubiläumswettbewerb um den Goldenen Löwen von Venedig sind u. a. Damien Chazelle mit seinem Weltraumdrama "First Man - Aufbruch zum Mond", die Coen-Brüder mit ihrem Episoden-Western "The Ballad of Buster Scruggs" und Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem Geschichtsdrama "Werk ohne Autor" vertreten. Am 8. September findet die Preisgala statt. Von Kritikern gab's schon viel Lob für die Auswahl, wie Jan-Christoph Kitzler für SR 2 KulturRadio vom Lido berichtet.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 05.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen