"Schleichende Verwahrlosung des kulturellen Erbes"

"Schleichende Verwahrlosung des kulturellen Erbes"

Ein Gespräch mit Museumsexperte Hans-Martin Hinz über den Großbrand im brasilianischen Nationalmuseum in Rio de Janeiro

Audio: Kai Schmieding / Onlinefassung: Rick Reitler   04.09.2018 | 16:25 Uhr

Das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro ist einem Großbrand zum Opfer gefallen. SR 2-Moderator hat mit Hans-Martin Hinz, dem ehemaligen Präsidenten des Internationalen Museumsrats (ICOM), u. a. über das Hilfsangebot der UNESCO, über veraltete Infrastrukturen und über die Rolle der öffentlichen Haushalte gesprochen.

Am 2. September ist das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro einem Großbrand zum Opfer gefallen. Fast alle seine archäologischen, botanischen und paleontologischen Bestände sind zerstört - darunter Artefakte aus der ägytischen und der römisch-griechischen Antike, aber auch in Brasilien entdeckte Fossilien.

Sparen an den Depots

"Es ist nicht nur eine Frage der armen und reichen Länder, sondern durchaus schon auch eine Frage des Umgangs mit den Dingen", gab Hinz zu bedenken. "Was das größte Problem ist und was man eigentlich gar nicht so sieht, ist eine schleichende Verwahrlosung sozusagen des kulturellen Erbes."

Die mangelde Wertschätzung betreffe vor allem die Depots, in denen 99 Prozent der Sammlungsbestände aufbewahrt würden. Die Objekte in diesen Depots würden häufig "nicht sachgerecht und auf hohem Standard gepflegt", so seine Erfahrung. Das hänge damit zusammen, dass Haushaltseinsparungen im musealen Bereich sich eher in jenen Archiven niederschlügen als in den Ausstellungsräumen der Museen, in denen die Besucher verkehrten.


Hintergrund:

tagesschau.de
Museumsbrand in Brasilien
Das Nationalmuseum in Rio ist abgebrannt - und damit auch ein Stück Geschichte. Neben Trauer und Schock mischt sich auch Wut. Hätte der Brand verhindert werden können?

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 04.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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