"Ich wehre mich entschieden gegen eine Eventisierung der Kultur."

"Ich wehre mich entschieden gegen eine Eventisierung der Kultur."

Im Interview: Bodo Busse, Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters

Johannes Kloth / Onlinefassung: Benjamin Morris   10.07.2018 | 15:20 Uhr

In der Debatte um die Kulturentwicklung im Saarland hat sich SST-Intendant Bodo Busse gegen eine Strategie ausgesprochen, die in erster Linie auf Besucherzahlen, statt auf Qualität setzt. Eine auf Touristen ausgerichteten Eventkultur auf Kosten des bereits betstehenden Kulturangebots sei mit ihm nicht zu machen: "Gegen eine Eventisierung der Kultur wehre ich mich ganz entschieden." Angestoßen hatte die Debatte der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig.

Im Gespräch mit SR 2-Moderator Johannes Kloth äußerte sich der Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters, Bodo Busse, grundsätzlich positiv über den Anstoß der Debatte durch den Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig.

Busse habe aber den Eindruck, dass Grewenig in einigen Argumentationssträngen zu weit gehe: "Er macht das alles mit sehr viel Leidenschaft, aber wie es mit der Leidenschaft so ist, man schießt etwas über das Ziel hinaus.", sagte Busse. Kritisch sieht Busse vor allem den Zeitpunkt und die Finanzierung der von Grewenig ins Spiel gebrachten großen Sommerproduktionen und die von Grewenig geforderte zentralistische und tourisitische Ausrichtung der saarländischen Kulturentwicklungpolitik.

Kultur für Saarländer oder Touristen?

Vor allem in Sachen Kulturtourismus widerspricht Busse Grewenig deutlich. Er finde nicht, dass es zu wenig Kulturtourismus im Saarland gibt und fügt hinzu, dass das Staatstheater sein Programm "vor allem für die Menschen, die hier leben" mache. Eine auf Touristen ausgerichteten Eventkultur auf Kosten des bereits bestehenden Kulturangebots sei mit ihm nicht zu machen: "Gegen eine Eventisierung der Kultur wehre ich mich ganz entschieden."

Vielfalt vs. Kulturdesign

Grewenigs Kritik am mangelnden Engagement der saarländischen Kulturpolitik geht Busse zu weit. "Ich glaube nicht, dass wir uns im Saarland über mangelnde kulturpolitische Lobbys beklagen können.", so Busse. Er warnt eher vor einem zu zentralistischen Verständnis von Kulturpolitik: "Ich finde den Begriff des Kulturdesigns sehr problematisch. Ich glaube nicht, dass Kultur im Saarland inhaltlich, strukturell und ästhetisch von einer zentralen Stelle gesteuert werden sollte." Das widerspreche der Überzeugung von einer kulturellen Vielfalt, die wir hier im Saarland hätten.

Zeitpunkt nicht machbar

Über die möglichen Kooperationen zwischen Staatstheater und Völklinger Hütte habe man bereits vor zwei Jahren sehr gute Gespräche geführt, sagte Busse und betonte, dass er "sehr gerne" in der Völklinger Hütte spielen würde, allerdings sei der von Grewenig vorgeschlagene Zeitpunkt nicht machbar, da man den Beschäftigten des Staatstheaters nicht einfach den Urlaub streichen könne. Über den Zeitpunkt könne man aber sprechen. Ein großes Opernprojekt in der Völklinger Hütte am Rande der Spielzeit könnte sich Busse gut vorstellen.

Crossover-Festival?

Die Idee eines großen Crossover-Festivals begrüßt Busse prinzipiell: "Ein großes Crossover-Festival macht natürlich Sinn, aber das braucht einen langen Vorlauf, viele Gespräche, gute Ideen und einen finanziellen Hintergrund, der das auch ermöglicht." Ein großes Festival mit namhaften Stars im industriellen Ambiente im Stile der Ruhrtriennale sei mit dem angedachten Budget von unter einer Million Euro seiner Einschätzung nach nicht zu machen: "Wenn man die ganz großen Namen will, dann geht das weit über eine Million Euro hinaus."

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Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Nachmittag" vom 10.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichetet.

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