Filmtipp: "It must schwing! The Blue Note story"

"It must schwing! The Blue Note story"

Die Geschichte der Blue Note Records beim Münchner Filmfest

Johannes Kloth   02.07.2018 | 15:40 Uhr

Die neue Film von Regisseur Eric Friedler erzählt die Geschichte des legendären Labels Blue Note Records, das in den 50er-/60er-Jahren zu einem der wichtigsten Labels des Jazz wurde. Der von Wim Wenders produzierte Dokumentation feiert am Montagabend beim Münchner Filmfest Weltpremiere.

"Blue Note Records" - ein Name mit Klang. Er steht für Qualität im Jazz, und für eine ganze Ära. Die Liste der Jazzlegenden, die auf Blue Note veröffentlicht haben, ist schier endlos. Am Montagabend feiert ein neuer von Wim Wenders produzierter Dokumentarfilm Premiere beim Filmfest München. Er erzählt die außergewöhnliche Geschichte des legendären Labels, denn: Es waren zwei deutschjüdische Emigranten, die "Blue Note" in New York aufzogen. Regisseur Eric Friedler hat investigative Dokus gedreht, zum Beispiel: über die Quandts und die Verfolgung der Armenier - nun hat er sich also mit "It must Schwing", dem Jazz zugewandt.

Elegant und funky, treibend und dabei doch unverschämt lässig - das ist der Jazz-Sound der 50er/60er-Jahre: „Hard Bop“ nennt er sich, maßgeblich mitgeprägt wurde er von dem Yorker Jazzlabel „Blue Note Records“. Fast alle Blue Note-Alben sind zu Klassikern der Jazzgeschichte geworden. Der Name des Labels zur Marke. Der Filmemacher Eric Friedler erzählt in seinem neuen Film die Geschichte des Labels. Eine Geschichte, die zurückreicht ins Berlin der 20er-Jahre. Als Schüler treffen der spätere Label- Gründer Alfred Lion und sein Kompagnon Francis Wollf das erste Mal aufeinander. 

Im Nazi-Deutschland der 30er-Jahre wird die Jazzliebe für die beiden Deutschjuden zum Problem. Als erster emigriert Alfred Lion in die USA, er gründet "Blue Note Records" 1939 in New York. Wenige Monate später folgt ihm der Freund "Francis" Wolff. Mit einem der letzten Passagierdampfer konnte er Nazideutschland gerade noch verlassen. Wolff steigt bei Blue Note ein, gemeinsam ziehen sie das Label auf – mit wenig Geld und viel Enthusiasmus. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Lion ist der Scout und Chef der Produktionen, Wolff, der stille Fotograf im Hintergrund. Er ist der Schoepfer unzähhliger Kult-Cover. Als dritten im Bunde holen sich die beiden Musik-Amateure schliesslich den kongenialen Toningenieur Rudy van Gelder an die Seite.

Die 50er- und 60er-Jahre werden zur goldenen Blue Note Ära. Miles Davis, Herbie Hancock, John Coltrane, Sonny Rollins, Wayne Shorter, Thelonious Monk… die Liste der Stars, die auf Blue Note veröffentlichen, ist beeindruckend.

"A lion and a wolf" , einen Löwen und einen Wolf – so hätten die Musiker die beiden Deutschen liebevoll genannt, erzählt der Saxofonist Wayne Shorter im Film. Lion und Wolff hätten eine so entspannte Stimmung im Studio geschaffen gerade weil sie sich zurückhielten. Wolff fotografierte in seelenruhe, Lion beobachtete,  mischte sich selten ein, wenn aber – dann sehr bestimmt und in markant deutschem Akzent.

Neben all den Stars, die die Geschichte von Blue Note Revue passieren lassen, ist eine Menge historisches Foto und Filmmaterial, das zum Teil bislang unveröffentlicht war, zu sehen. Da, wo sich bei zentralen Ereignissen in den Archiven Lücken auftaten, behalf sich Friedler mit einem  Kniff. In dem er die Szenen in Trickfilm-Sequenzen nachstellen liess – im Retro Schwarz-Weiß-Look, versteht sich.

1967 bereits verkaufen Lion und Wolff Blue Note Records wieder. Nur vier Jahre spaeter stirbt Wolf überraschend, Alfred Lion dann 1987.

"Blue Note Records" gibt es seit den 1980er Jahren wieder, mittlerweile als Teil von Universal Music, eines modernen Großkonzerns, noch immer zehrt die Marke von ihrer unglaublichen Geschichte.       


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Die neue Doku des Regisseurs Eric Friedler erzählt die Geschichte zweier deutsch-jüdischer USA-Einwanderer, die das legendäre Label Blue Note Records gründeten. Ein Schwerpunkt in "JazzNow" vom 1. Juli. Die Sendung gibt's auch für sieben Tage online!

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Nachmittag" vom 02.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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