Landesdenkmalschutz-Novelle "ein kleiner Schritt nach vorne"

"Ein kleiner Schritt nach vorne"

Ein Gespräch mit Henning Freese, Vorsitzender des Landesdenkmalrats, über die Novelle des Denkmalschutzgesetzes

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Rick Reitler   14.06.2018 | 07:45 Uhr

Für den Architekten Henning Freese, den Vorsitzenden des Landesdenkmalrates Saarland, ist die Änderung des saarländischen Denkmalschutzgesetzes zwar kein großer Wurf, aber zumindest ein "kleiner Schritt" in die richtige Richtung. Im SR 2-Interview forderte er "mehr Bildung, Fortbildung und Wissen über die Denkmale".

Henning Freese, der Vorsitzende des Landesdenkmalrates Saarland (Foto: Rick Reitler)
Henning Freese, der Vorsitzende des Landesdenkmalrates Saarland

2004 wurde im Saarland die Unteren Denkmalbehörden der Kreise und Kommunen abgeschafft. Doch das hat sich letztlich nicht bewährt, meint der Landtag - und hat deswegen am 13. Juni das Denkmalschutzgesetz neu aufgestellt. Die Kernpunkte der Novelle: Das Ministerium für Bildung und Kultur soll oberste Instanz werden, das Landesdenkmalamt als untere Instanz wieder zu einer eigenen Fach- und Vollzugsbehörde werden, und es soll generell wieder das Vier-Augen-Prinzip zwischen beiden gelten. Dritte "Instanz" soll der ehrenamtlich arbeitende Landesdenkmalrat sein.

"Clearingstelle" Landesdenkmalrat

Für den Architekten Henning Freese, den Vorsitzenden des Landesdenkmalrates, ist das zwar kein großer Wurf, aber zumindest ein "kleiner Schritt" in die richtige Richtung. Er begrüßte die Installation des "Dreigespanns" aus Kulturministerium, Landesdenkmalamt und Landesdenkmalrat. Der Landesdenkmalrat solle dabei als "eine Art Clearingstelle" fungieren, in der "alle relevanten Institutionen des Landes" vertreten seien und der somit für die Interessen der Bevölkerung stehe, erläuterte Freese. Falls sich Ministerium und Landesdenkmalamt einmal nicht einigen könnten, sei dann der Landesdenkmalrat am Zug. Als großen Vorteil der Wieder-Einführung dieses "Diskussionsdreieckes" sehe er die Tatsache, dass Entscheidungen nun überhaupt wieder diskutiert werden könnten.

Defizite

Er selbst wünsche sich, dass in Fragen des Denkmalschutzes generell mehr diskutiert werde: "Wir brauchen wesentlich mehr Bildung, Fortbildung und Wissen über die Denkmale", forderte Freese, "insofern ist Denkmalschutz auch eine Bildungsaufgabe, die wahrgenommen werden muss". Lediglich eine PDF-Liste saarländischer Denkmäler ins Netz zu stellen, genüge längst nicht mehr. Andere Bundesländer seien - beispielsweise mit flächendeckenden GPS-und Geodatensytemen - wesentlich besser aufgestellt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 14.06.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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Nach jahrelangen Streitereien wurde am 13. Juni im Landtag die Neuordnung des saarländischen Denkmalschutzgesetzes verabschiedet. Höchste Zeit, findet SR-Kulturredakteur Dietmar Schellin, denn in der vergangenen Dekade sei in Sachen Denkmalschutz "einiges nicht so gut" gelaufen. Im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger sparte Schellin mit Verweis auf den Umgang mit der ehemaligen Bergwerksdirektion, der Modernen Galerie und dem Kirchheimer Hof nicht mit Kritik. Insgesamt aber stellt die Gesetzesnovelle für ihn eine Verbesserung dar, auch wenn der "Sündenfall" der Abschaffung der unteren Denkmalbehörden der Kreise und Kommunen nicht korrigiert worden sei und auch sonst noch manches im Argen liege.


Hintergrund

Das Landesdenkmalamt wird auf Beschluss des Landtages künftig eine eigene Fachbehörde und erhält eine "eigenverantwortliche" Stellung. Bisher war das Landesdenkmalamt ein Referat des Bildungs- und Kulturministeriums. Das neue Gesetz sieht auch eine regelmäßige Information der Kommunen über die Denkmalpflege vor. Kommunen sollen besser als bisher in Entscheidungen über Denkmäler auf ihrem Gebiet eingebunden werden. So soll das Vier-Augen-Prinzip bei Fragen des Denkmalschutzes wieder eingeführt werden. (SAARTEXT)

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