Kommentar zur katholischen Kirche: "Die Zeit wird knapp"

"Die Zeit wird knapp"

Ein Kommentar von SR-Redakteur Christian Otterbach zur Situation in der katholischen Kirche

Onlinefassung: Rick Reitler   24.03.2021 | 07:55 Uhr

Auch nach dem Fehler-Eingeständnis des Kölner Kardinals Woelki ist der "Schaden an der Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft" längst so gut wie irreparabel, meint SR-Redaktuer Christian Otterbach. Zudem werde die Zeit für die katholische Kirche knapp. Ein Kommentar.

Eine Stimme von SR 2: Christian Otterbach (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Christian Otterbach (Foto: Pasquale D'Angiolillo)


Der Kölner Kardinal Reiner Maria Woelki hat am 23. März schwere Fehler seines Erzbistums im Umgang mit sexuellem Missbrauch eingestanden. Tenor: Der Ruf der Kirche sei höher bewertet worden als das Leid der Betroffenen. In der vergangenen Woche hatte ein Gutachten dem Erzbistum bescheinigt, über Jahrzehnte sexuellen Missbrauch von Priestern vertuscht zu haben. Vor allem Woelkis Vorgänger Kardinal Meißner wurden Verfehlungen zur Last gelegt.

"Schaden an der Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft"

Woelki selbst will aber nicht als Erzbischof zurücktreten. Damit hat sich nach Einschätzung von SR-Redakteur Christian Otterbach in der katholischen Kirche "die emotionale und kognitive Erkenntnis" noch immer nicht durchgesetzt, "dass der Skandal um sexualisierte Gewalt erstens den betroffenen unendlichen Schmerz zufügt und zweitens einen Schaden an der Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft anrichtet, der so gut wie nicht mehr zu reparieren ist".

"Strukturen der katholischen Kirche ändern"

Dieses Problem gehe "weit über das Erzbistum Köln hinaus", so Otterbach. Er sieht nur einen Dreiklang als Weg für die katholische Kirche: "Die Stimmen der Betroffenen hören, sich rückhaltlos der Aufklärung durch unabhängige Instanzen stellen und endlich die so oft zitierten begünstigenden Strukturen der katholischen Kirche ändern". Für all das aber werde die Zeit knapp.

Ein Kommentar von Christian Otterbach


Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 24.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Kardinal Rainer Maria Woelki, den Erzbischof von Köln, bei einer Pressekonferenz des Erzbistum Köln am 23.03.2021 zur Vorstellung der Konsequenzen aus dem Missbrauchsgutachten des Strafrechtlers Gercke (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Oliver Berg).

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