Zum Rückzug von Kardinal Marx: "Er hat seins getan"

"Er hat seins getan"

Ein Gespräch mit Barbara Lessel-Waschbüsch zum angekündigten Rückzug von Kardinal Reinhard Marx von der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz

Jochen Erdmenger / Barbara Lessel-Waschbüsch. Onlinefassung: Rick Reitler   12.02.2020 | 12:25 Uhr

Für Barbara Lessel-Waschbüsch, die Leiterin der SR-Religionsredaktion, bedeutet der Rückzug von Kardinal Reinhard Marx vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz eine große Überraschung, aber auch eine Chance: Marx könne nun womöglich "de fakto noch pointierter zuspitzen", so Lessel-Waschbüsch im Interview.

Die Deutsche Bischofskonferenz muss sich einen neuen Vorsitzenden suchen: Der amtierende Münchener Kardinal Reinhard Marx will im März 2020 nicht wieder zur Wahl antreten.

Überraschung - aber auch Chance

Eine Stimme von SR 2: Barbara Lessel-Waschbüsch (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Barbara Lessel-Waschbüsch

Für Barbara Lessel-Waschbüsch, die Leiterin der SR-Religionsredaktion, bedeutet sein Rückzug eine große Überraschung: Marx sei in gewisser Weise immerhin "der Vater des Synodalen Prozesses" gewesen, sagte Lessel-Waschbüsch im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Dennoch äußerte sie Verständnis dafür, dass der 66-Jährige die Leitung der Bischofskonferenz angesichts der vielfältigen Probleme der katholischen Kirche nun der jüngeren Generation überlassen wolle: "Er hat seins getan - warum sollen nicht die Jüngeren tatsächlich jetzt agil vorangehen?"

Als Berater des Papstes sei Marx zudem immer noch eine "ganz wesentliche Figur, auch für die Entwicklung von Weltkirche und Kurie". Und ohne die Leitungsfunktion in der Deutschen Bischofskonferenz könne Marx nun "de fakto noch pointierter zuspitzen", so Lessel-Waschbüsch.

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 12.02.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Reinhard Kardinal Marx im Bayerischen Landtag am 7. Februar 2020 bei der Verleihung der Verfassungsmedaille (Foto: dpa / Tobias Hase).

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