Kinder vor Missbrauch schützen - wie?

Kinder vor Missbrauch schützen - wie?

Ein Gespräch mit Sabine Andresen, der Vize-Präsidentin des Deutschen Kinderschutzbunds, über Vorbeugungsmaßnahmen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   28.01.2020 | 08:15 Uhr

Die Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbunds, Sabine Andresen, hat im SR-Interview zu mehr Achtsamkeit geraten, wenn es um den Schutz des eigenen Kindes vor sexuellem Missbrauch geht. Außerdem spielten das innerfamiliäre Vertrauen und die Aufarbeitung von vergangenen Fällen eine wichtige Rolle bei der Prävention.

Vor genau zehn Jahren machte ein ehemaliger Schüler des Berliner Canisius-Kollegs seine eigene Opfer-Geschichte vom sexuellen Missbrauch an seinem Gymnasium öffentlich - und sorgte mit seinem Tabubruch für einen gewaltigen Skandal. Danach kamen immer mehr Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen, Kinderheimen, Sportvereinen, Schulen oder Familien ans Licht.

Immer achtsam bleiben

Doch was können Eltern tun, um ihr Kind zu schützen? Sabine Andresen, die Vize-Präsidentin des Deutschen Kinderschutzbunds, empfiehlt vor allem Achtsamkeit bei der Auswahl von Einrichtungen. So sollten Eltern sich beispielsweise nicht scheuen, sich die Präventionsangebote oder Schutzkonzepte einer Institution genau erläutern zu lassen.

Aufarbeitung als Grundlage für Prävention

Selbstverständlich gehe es auch darum, sein Kind so zu erziehen, dass es sich seinen Eltern auf jeden Fall anvertrauen würde, wenn es bedrängt worden sei oder Gewalt erlebt habe. Außerdem plädierte sie für die Aufarbeitung vergangener Gewaltgeschichten als wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Prävention.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 28.01.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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