Was erwartet Franziskus I. von seinen Bischöfen?

Was erwartet Franziskus I. von seinen Bischöfen?

Eine Reportage von Oliver Buchholz über den Papst und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche

Audio: Oliver Buchholz. Foto: SR Fernsehen. Onlinefassung: Buchholz/Reitler   20.02.2018 | 16:25 Uhr

Wohl kein anderes Thema beherrscht die Debatten um die katholische Kirche in Mitteleuropa so sehr wie der jahrzehntelange sexuelle Missbrauch von Mädchen und Jungen durch kirchliche Würdenträger. Ab dem 21. Februar 2019 wird sich nun auch der Vatikan vier Tage lang intensiv mit dem Thema beschäftigen. Papst Franziskus I. hat die Vorsitzenden der 113 Bischofskonferenzen dieser Welt zum Krisentreffen eingeladen.

Da sich bislang längst nicht alle Bischöfe eingestehen wollen, dass von "Einzelfällen" keine Rede mehr sein kann, sondern die Strukturen der Kirche selbst Missbrauch begünstigen, geht es dem Papst wohl in erster Linie darum, dass alle Bischofskonferenzen das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der Kirche erkennen und den Umgang damit lernen.

Streitpunkt Zölibat

Die Kirchenbasis fordert schon lange, dass sich etwas ändern muss. Die Abschaffung des Zölibats, also des Ehelosigkeitsgebots für katholische Priester, wird von vielen als ein wichtiger Schritt zur Besserung betrachtet. Eine Studie der deutschen Bischofskonferenz hatte offengelegt, dass die Beschuldigten zu 95 Prozent Priester sind.

Die deutschen Bischöfe aber wollen nicht alle am Zölibat rütteln: Während der Trierer Oberhirte Stepan Ackermann an der Ehelosigkeit für Priester festhalten will, haben seine Kollegen in Mainz und Speyer Gesprächsbereitschaft angekündigt.

Kein Erdrutsch zu erwarten

Fest steht: Eine Lösung kann nur für die gesamte katholische Kirche, also in Rom getroffen werden. Und dass der Pontifex Maximus tatsächlich ernsthaft den Jahrhunderte alten Kurs in Sachen Ehelosigkeit oder Priesterweihe für Frauen antasten wird, gilt den meisten Kirchenmännern wie etwa Andreas Zimmer, dem Abteilungsleiter für Prävention in der Trierer Bistumsverwaltung, als nahezu undenkbar. Wahrscheinlicher ist da eine Auflage des Papstes zur verpflichtenden Präventionsarbeit.

Ergebnis offen

Unterschiedliche Wünsche, unterschiedliche Kenntnisstände und unterschiedliche Welten werden beim Treffen im Vatikan aufeinanderprallen. Das Ergebnis bleibt offen. Ein Abschlussbericht mit konkreten Forderungen und Zielen ist nicht zu erwarten.

Hintergrund: Krisengipfel in Rom

Allein in Deutschland sollen zwischen 1946 und 2014 mehr als 3600 Kinder und Jugendliche von Amtsträgern der katholischen Kirche missbraucht worden sein - so das Ergebnis einer Studie vom September 2018, die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellt worden war. Ab dem 21. Februar 2019 wollen sich die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen zu einem viertägigen Krisengipfel in Rom treffen, um eine Zwischenbilanz zur innerkirchlichen Aufarbeitung dieses Skandals zu ziehen.


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Rückblick - Archiv:

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Die Meinung:

Kommentar zur Missbrauchsstudie
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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 20.02.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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