Viel Frust vor dem Krisengipfel der Bischöfe

Viel Frust vor dem Krisengipfel der Bischöfe in Rom

Eine Reportage von Oliver Buchholz

Audio: Oliver Buchholz. Foto: ARD-Foto. Onlinefassung: Rick Reitler   19.02.2018 | 16:25 Uhr

Allein zwischen 1946 und 2014 sollen mehr als 3600 Kinder und Jugendliche von Amtsträgern der katholischen Kirche missbraucht worden sein - soweit jedenfalls das Ergebnis einer Studie vom September 2018, die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellt worden war.

Krisengipfel in Rom

Ab dem 21. Februar 2019 wollen sich die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen zu einem viertägigen Krisengipfel in Rom treffen, um eine Zwischenbilanz zur innerkirchlichen Aufarbeitung dieses Skandals zu ziehen.

Im Bistum Trier haben bislang allerdings wohl relativ wenige der offiziell 442 Opfer Interesse daran gezeigt, noch einmal mit Kirchenvertretern zusammenzuarbeiten. "Wenn Täter ihre eigenen Delikte bearbeiten und aufklären wollen, kann man eigentlich keinen Erfolg erwarten", so die Erklärung eines Angehörigen der Opferinitiative Missbit.

Angespanntes Verhältnis

Pastoralreferentin Jutta Lehnert bestätigte das gespannte Verhältnis zwischen katholischen Würdenträgern und Missbrauchsopfern: "Obwohl es in der Studie so steht, dass die Opfer an der Aufarbeitung beteiligt werden sollen, hat es bis jetzt kein Gespräch gegeben", betonte sie im Gespräch mit SR-Reporter Oliver Buchholz. "Es bewegt sich nichts in dieser Richtung - also jedenfalls hat der Bischof das Gespräch mit der Opferorganisation Missbit nicht gesucht."

Spannend könnte nun vor allem die Frage werden, welche Vereinbarung die Bischöfe nach dem viertägigen Treffen mit Papst Franziskus treffen werden, meint Buchholz.


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Die Meinung:

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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 19.02.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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