Islamkonferenz: Mit neuem Konzept zum Erfolg?

Mit neuem Konzept zum Erfolg?

Ein Gespräch mit Prof. Susanne Schröter, Direktorin des "Forschungszentrums Globaler Islam" an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Audio: Kai Schmieding / Onlinefassung: Rick Reitler  
Streitfragen 2018
Audio [SR 2, Ulrich Pick, 28.11.2018, Länge: 03:29 Min.]
Streitfragen 2018
Die schwach organisierten liberalen Muslime und die Auslandfinanzierung der Konservativen - das sind nach Auffassung von Ulrich Pick die wichtigsten Problemfelder der Deutschen Islamkonferenz 2018.


Vor zwölf Jahren hat der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die "Islamkonferenz" ins Leben gerufen, um "den Dialog mit dem Islam" zu fördern. Doch die Islamkritik ist seither in weiten Teilen der nicht-muslimischen Bewohnerinnen und Bewohner Deutschlands eher lauter geworden, und auch unter den organisierten Muslimen selbst ist oft unklar, wer welche Gruppierung oder welchen Verband der islamischen Welt vertreten darf.

Hoffnung

Prof. Susanne Schröter, die Direktorin des "Forschungszentrums Globaler Islam" an der Goethe-Universität Frankfurt am Main ist trotzdem optimistisch, dass sich die Konferenz mit dem Jahrgang 2018 ändern wird: weg von dem bisherigen "Forum für die konservativen Islamverbände, die fast ausnahmslos vom Ausland gesteuert sind" - hin zu einem Treffen, das die "Heterogenität der Muslime in Deutschland weitaus besser" abbilden werde. Innenstaatssekretär Markus Kerber habe dafür ein neues Konzept ausgearbeitet, so Schröter im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. "Jetzt wollen wir mal schauen, welche Diskussionen sich daraus ergeben. Ich bin da ganz zuversichtlich, das da noch mal neue Akzente gesetzt werden."

Fehler der vergangenen Jahre

Schröter kritisierte die "nicht zu verantwortende Nachgiebigkeit", die die Konferenz in den Vorjahren gegenüberVerbänden wie etwa dem türkischen Islamverband DITIB gezeigt habe. Deren "Selbstvertretungsanspruch" sei furchtbarerweise sogar "unterstützt" worden. "Man hat sie tatsächlich ermächtigt, so zu tun, als ob sie für die Muslime in Deutschland sprechen, obwohl sie nur einen sehr kleinen Teil der Muslime vertreten", sagte Schröter, und auf diese Weise habe man sich "von den Funktionären dieser Verbände vor sich hertreiben lassen." Die Folgen seien nun "desaströs, auch für die Integration".

Für Unabhängigkeit vom Ausland

Sie selbst wolle sich auf der Islamkonferenz daür stark machen, die Unabhängigkeit von jeglichen islamischer Organisationen aus dem Ausland einzuleiten. "Das heißt, Unabhängigkeit von der Türkei, aber auch von den Golfstaaten und vom Iran." Nur so könne ein Islam entstehen, "der tatsächlich in Deutschland beheimatet" sei, sagte Schröter.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 28.11.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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