"Vieles, was die AfD sagt, geht katholisch nicht!"

"Vieles, was die AfD sagt, geht katholisch nicht!"

150 Jahre ZdK: Ein Interview mit Präsident Thomas Sternberg

Interview: Jochen Marmit / Onlinefassung: Martin Breher   13.09.2018 | 10:22 Uhr

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken feierte am 13. September sein 150-jähriges Bestehen. Präsident Thomas Sternberg erklärt im SR 2-Interview, dass das ZdK auch heute für die Gläubigen noch eine große Bedeutung habe. In Bezug auf seine Aussagen über die AfD bekräftigte Sternberg, dass Forderungen der Partei in vielen Punkten mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar seien.

"Katholiken haben immer eine Position, nach der es keinen Nationalismus gibt, in der Fremde nicht ausgegrenzt werden, in der kein Unterschied gemacht wird zwischen Deutschen und Anderen", sagt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, im SR 2-Interview mit Blick auf die Parolen der AfD. "Vieles von dem, was die AfD sagt, insbesondere das, was ihr Vorsitzender Alexander Gauland in der letzten Woche wirklich mit einer erschreckenden Deutlichkeit gesagt hat, mit seinem 'Kampf gegen das System', das geht katholisch nicht", so Sternberg.

AfD soll beweisen, dass sie nicht rechtsradikal ist

Sternberg hatte zuvor in einem Interview von "Parallelen zum Nationalsozialismus" bei der AfD gesprochen. Sternberg sagte, Gauland bediene eine "rechtsradikale Klientel" und führe eine "rechtsradikale Partei". Im SR 2-Interview erklärte Sternberg: "Wenn die AfD nicht rechtsradikal ist, dann soll sie das beweisen. Ich habe nur den Eindruck, dass sie von Monat zu Monat die Grenzen des bisher noch Tolerierbaren noch weiter ausdehnt und auslotet." Die Zusammenarbeit mit Pegida sei dabei "ein weiterer, krönender Punkt".

Mehr Laienbeteiligung in der Kirche nötig

Mit Blick auf die sich wandelnde Gesellschaft sagte Sternberg: "Ich bin nicht sicher, ob die Menschen früher frömmer waren. Aber es gibt auch heute die Frommen, und wir müssen heute in einer pluralistischeren Gesellschaft anders auftreten." Dazu gehöre, dass auch Laien Pfarreien leiten dürften.

Aufgrund des Priestermangels sieht Sternberg sogar die Notwendigkeit, Laien bei der Austeilung der Sakramente zu beteiligen. "Das wird sich ganz von selbst ergeben müssen, weil der Priestermangel eine katastrophale Form annimmt, dass es gar nicht mehr anders geht, als dass die Gläubigen die Dinge selbst in die Hand nehmen". Eine endgültige Lösung sei das aber nicht, man brauche auch mehr Priester. Das ZdK sieht sich daher in der Pflicht, die Bischöfe darauf hinzuweisen, dass es "zu ihren ersten Pflichten und Aufgaben" gehöre, für mehr Priester zu sorgen.


Hintergrund:

150 Jahre Zentralkomitee der deutschen Katholiken
Audio [SR 2, Michael Hollenbach, 13.09.2018, Länge: 03:08 Min.]
150 Jahre Zentralkomitee der deutschen Katholiken
Am 13. September feierte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken mit einem Festakt in Bamberg seinen 150. Geburtstag. Manchen Spott musste das ZdK wegen seines Namens ertragen: So bemerkte vor 20 Jahren der damalige Fuldaer Bischof Johannes Dyba süffisant, ein ZK gäbe es eigentlich nur noch im chinesischen Kommunismus - und dem deutschen Katholizismus. Immerhin: das katholische Zentralkomitee ist älter als jedes kommunistische.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 13.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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