"Franziskus ist ein nahbarer Papst"

"Franziskus ist ein nahbarer Papst"

Ein Interview mit Annette Schavan, Botschafterin Deutschlands am Heiligen Stuhl

Jochen Marmit / Onlinefassung: Rick Reitler   13.03.2018 | 07:20 Uhr

Vor genau fünf Jahren hat der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio die Wahl zum Papst angenommen. Für Annette Schavan, der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland im Vatikan, hat Franziskus seither vor allem mit seinen Auslandsreisen in Krisengebiete viele Zeichen und Impulse für Frieden, für Menschenwürde und gegen Armut gesetzt.

Vor genau fünf Jahren nahm der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio die Wahl zum Papst an - und versprach, als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche so manche Reform in die Wege zu leiten. Sofort schlugen ihm die Hoffnungen und Herzen entgegen - nicht nur von Millionen Christen.

Für Frieden und Menschenwürde

Für Annette Schavan, seit 2014 Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland im Vatikan, hat Franziskus seither vor allem mit seinen Auslandsreisen in Krisengebiete wie Lesbos oder Lampedusa viele Zeichen und Impulse für Frieden, für Menschenwürde und gegen Armut gesetzt: "Er geht dahin, wo die Welt aufmerksam werden soll auf Not, auf Unterdrückung von Menschen". Dieser Ansatz setze sich international "immer mehr durch", sagte Schavan im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Marmit. Dies bedeute "eine große Chance in einer Welt, die so zerbrechlich wirkt wie unsere gerade wirkt".

Aufmerksamkeit und Wertschätzung

Bei ihren eigenen Begegnungen mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche habe sie Franziskus stets als "nahbaren Papst" wahrgenommen. "Die Gäste aus Deutschland, die ihm begegnen, sagen alle: 'Das ist ein besonderer Moment, ihm zu begegnen', weil er so viel Aufmerksamkeit, so viel Wertschätzung signalisiert für Menschen", so Schavan. Ihrer Beobachtung nach ginge es dem Pontifex Maximus immer auch darum, die Christen zu ermutigen, "eine andere Perspektive wahrzunehmen" - nämlich "ganz stark die Perspektive des Zweiten Vatikanischen Konzils". Franziskus wolle "die arme Kirche für die Armen - eindeutig".

"Lebenswirklichkeiten von Menschen"

Franziskus sei es in diesem Sinn ebenso wie dem jüngst verstorbenen Kardinal Karl Lehmann wichtig, dass jene Dinge, die das Zweite Vatikanische Konzil in den 1960er Jahren beschlossen hatte, "nun wirklich auch in der Kirche wahrgenommen" würden. "Dazu gehört, aufmerksamer auf die Lebenswirklichkeiten von Menschen zu schauen", sagte Schavan. Das gelte auch für die Zulassung von jenen Gläubigen zum Sakrament der Heiligen Kommunion, die zum zweiten Mal verheiratet seien. "Spätestens bei der Familiensynode war dann ja klar, das ist nicht irgendeine modische Erwartung, sondern das, was da möglich ist, das hat zutiefst mit Thomas von Aquin zu tun", so Schavan.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Nachmittag" vom 19.02.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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