Als die Inka ihre Götter anbeteten

Als die Inka die Götter anbeteten

Ein Interview mit der Historikern Prof. Dr. Regine Schulz, Leiterin des Roemer- und Pelizaeus-Museums Hildesheim

Jochen Marmit / Onlinefassung: Rick Reitler   06.02.2018 | 15:20 Uhr

Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte spricht am Abend des 6. Februar 2018 Prof. Regine Schulz über das Thema "Theologie und Frömmigkeit im Reich der Inka". SR 2-Moderator Jochen Marmit wollte schon vorher wissen, wie es mit der Macht der Götter und Priester aussah und was es mit den Menschenopfern der Hochkultur auf sich hatte.

Welche Götter beteten die Inka einst an? Wieviel Macht besaßen die Inka-Priester? Wie sah der religiöse Alltag aus? Was hatte es mit dem Kult um die Menschenopfer auf sich? Expertin für diese Fragen ist die Historikerin Prof. Regine Schulz. Die Leiterin des Roemer- und Pelizaeus-Museums Hildesheim spricht am Abend im Weltkulturerbe Völklinger Hütte über das Thema "Theologie und Frömmigkeit im Reich der Inka".

Vertrauen zur Macht

"Der wichtigste Gott der Inka war Inti", erklärte Schulz im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Marmit. "Inti war der Sonnengott und gleichzeitig der Gründer des Herrschergeschlechts der Inka und gleichzeitig sozusagen der göttliche Vater der Herrscher." Auch die Erdgottheit Pachamama ("Mutter Erde"), die die Menschen schützt, sei etwas "ganz Wichtiges" in der spirituellen Welt der Inka gewesen. Ganz wesentlich sei immer "der enge Bezug der Herrscher und der Priester zu den Göttern" gewesen - und das große Vertrauen, das die einfachen Menschen jenen Oberschichten geschenkt hätten. "Die weltliche und die priesterliche Macht" seien dabei "durchaus eng miteinander verbunden" gewesen. Wobei die weltliche Macht des Herrschers auch gewährt wurde, um als Schutzmacht "vor allen möglichen gefährlichen Dingen" für die Bevölkerung und ihre Gebäude zu dienen.

Blut für Sicherheit

Offenbar habe der einfache Inka für diesen Schutz durch seine Herrscher auch akzeptiert, dass Kinder in blutigen Ritualen geopfert wurden: "Hier ging es darum, dass man durch die Opferung dieser Kinder eben davon ausging, dass man damit die Götter nicht nur befrieden würde, sondern auch sozusagen den Geopferten etwas Positives antun würde. Denn im Jenseits konnte man durchaus weiter existieren, genauso wie man glaubte, dass auch im Diesseits noch ein Teilbereich des Menschen verbleiben würde." Grundsätzlich habe bei den Inka die Vorstellung geherrscht, dass man als Mensch schon Opfer erbringen müsse, "um die Götter dazu zu bekommen, dass sie ihr eigenes Leben, aber auch den Machtanspruch der Herrscher sichern würden."

Kulturübergreifende Elemente

Die spirituelle Vorstellungswelt der Inka sei im Übrigen nicht aus dem Nichts entstanden, sondern besitze Überschneidungen mit Überlieferungen anderer Kulturen - etwa jene der Azteken oder Maya. Auch praktisch überall auf dem Globus anzutreffende, uralte Motive wie die Sintflut oder eine frühen Vernichtung des Menschengeschlechts, hätten Eingang in die Inka-Gedankenwelt gefunden, stellte Schulz fest. Universelle Wünsche auf gute Ernten und auf ein gutes Leben seien den Inka ebenfalls bekannt gewesen.

Mutter Erde - Muttergottes

Bestimmte Funktionen der prä-christlichen Inka-Götter seien bis heute in die christliche Religion eingegangen, betonte Schulz. So werde die Figur der Madonna bzw. die Muttergottes noch immer häufig in der Rolle der Beschützerin Pachamama gesehen - "gerade auch bei Festen der heutigen Inkakultur".

Inka Ausstellung  (Foto: PAsquale D'Angiolillo)
Inka Ausstellung


Hintergrund

Ringvorlesung zur Ausstellung "Inka – Gold. Macht. Gott":

Prof. Regine Schulz:
"Theologie und Frömmigkeit im Reich der Inka"

Wann? Dienstag, 6. Februar 2018. 18.30 Uhr.
Wo? Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Völklingen

Eintritt frei!


Ausstellung
Weltkulturerbe verlängert Inka-Ausstellung
Vier Monaten nach der Eröffung hatten bereits über 100.000 Gäste die Ausstellung besucht. Wegen des großen Erfolges ist sie länger als ursprünglich vorgesehen, nämlich bis zum 8. April 2018.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Nachmittag" vom 06.02.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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