Jordanien, die "stille Kraft" im Nahen Osten

Jordanien, die "stille Kraft" im Nahen Osten

Ein Interview mit Dr. André Bank, GIGA Institut für Nahost-Studien, Hamburg, über Jordaniens Rolle im Nahen Osten

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   25.05.2021 | 08:45 Uhr

Anlässlich des 75. Jahrestags der Unabhägigkeit Jordaniens hat sich SR-Moderator Jochen Erdmenger mit dem Nahost-Experten Dr. André Bank u. a. über die Geschichte, die Gründe für die Stabilität und die aktuelle Rolle des Landes im Israel-Palästina-Konflikt unterhalten.

Am 25. Mai 2021 feiert das Königreich Jordanien den 75. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Die haschemitische Monarchie, ein traditioneller Verbündeter des Westens, gilt als eins der stabilsten Länder und als "stille Kraft" im Nahen Osten.

SR-Moderator Jochen Erdmenger hat sich mit dem Nahost-Experten Dr. André Bank vom GIGA Institut für Nahost-Studien in Hamburg u. a. über die Geschichte, die Gründe für die Stabilität und die aktuelle Rolle des Landes im Israel-Palästina-Konflikt unterhalten.

Gründe für die Stabilität

Am 25. Mai 1946 hatte Jordanien nach 25 Jahren als "Mandatsgebiet" unter britischer Kontrolle seine formelle Unabhängigkeit erlangt. Danach seien britische Truppen noch in dem kleinen, aber geopolitisch wichtigen Wüstenland präsent geblieben, erklärte Bank, im Kalten Krieg sei das Land besonders wichtig für die US-Amerikaner gewesen, heute auch für die EU. Die Stabilität erkläre sich einerseits aus dieser international wichtigen Rolle an der Seite des Westens, andererseits aber auch aus dem innenpolitischen Kurs der Monarchie: Die Staatsoberhäupter hätten es immer wieder geschafft, Gruppen wie Transjordanier oder reiche Palästinenser in den Staat einzubinden.

Weniger Einfluss

Beim aktuellen Nahost-Konflikt sieht Bank für Jordanien eine "deutlich geringere Rolle als in der Vergangenheit". Das Land besitze zwar seit 1994 einen formellen Friedensvertrag mit Israel - als einziger arabischer Staat neben Ägypten. Als Partner aber setzte das Königreich auf den "sehr isolierten, sehr geschwächten" Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. "Gerade im aktuellen Konflikt zwischen der israelischen Regierung und Hamas ist er im Grunde an der Seite", sagte Bank. Jordanien habe damit, was die aktuelle Situation anbelange, "sozusagen aufs falsche Pferd gesetzt". Der Einfluss auf die irsraelische Regierung Netanyahu sei "nicht mehr so da". Mit der Amtsübernahme von Joe Biden im Weißen Haus sei Jordanien wieder "ein bisschen mehr eingebunden" worden.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 25.05.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeig einen Blick auf die jordanische Hauptstadt Amman (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen).

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