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"Wir müssen lernen, unsere eigenen Schwächen kritisch zu durchleuchten"

Ein Interview mit dem Philosophen Prof. Dr. Markus Gabriel

Kai Schmieding   31.12.2020 | 09:24 Uhr

Das alte Jahr ist zu Ende und hat uns einiges zugemutet. Dass diese Krise durchaus auch Konstruktives für uns bedeuten kann, meint der Philosoph Prof. Dr. Markus Gabriel. Sein aktuelles Buch trägt den optimistischen Titel: "Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten". Worin dieser Fortschritt bestehen könnte, erklärt er Kai Schmieding im Interview.

Das letzte Jahr hat laut Autor und Philosoph Prof. Dr. Markus Gabriel gezeigt, dass die EU mit großen logistischen Problemen kämpft. Es gehe jetzt vor allem darum, die eigenen Schwächen zu reflektieren: "Gerade in Deutschland sind wir miserabel im Eingestehen unserer teilweise fatalen Fehler." Das gesellschaftlich wachsende Vertrauen in Expertenmeinungen sieht er kritisch. So seien Laien nicht im Stande, Statistiken richtig einzuordnen. Es gebe, so Gabriel, eine fatalen Verwechslung von medizinischer Expertise und ethischem Urteil: "Egal was die Zahlen sagen - sie sagen uns nicht, was wir tun sollen."

Gabriel ist jedoch überzeugt davon, dass wir aus der Krise moralische Einsichten ziehen können. Im Jahr 2020 seien im Angesicht der Corona-Pandemie viele moralisch sensible Themen diskutiert worden - etwa systemischer Rassismus, die Gleichstellung der Geschlechter und die Klimakrise. Das stimmt ihn optimistisch: "Wir haben jetzt die Chance, globale Ausbeutungsketten zu einer moralisch gerechteren Weltordnung umzulenken." Das Bundesrepublik könne dadurch endlich zu einem moralisch respektableren Aktuer auf der Weltbühne werden.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 31.12.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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