"Es gibt einen deutlichen Hang zur Nostalgie"

"Es gibt einen deutlichen Hang zur Nostalgie"

Gespräch mit Kulturwissenschaftler Michael Fischer zu Weihnachtsliedern

Interview: Jochen Marmit, Onlinefassung: Judith Rubatscher   23.12.2020 | 14:11 Uhr

Den einen bereitet der Song "Last Christmas" Bauchschmerzen, die anderen können ihn nicht oft genug hören – und mitsingen kann jeder. Kaum etwas polarisiert in den Wochen vor dem Fest so sehr wie Weihnachtslieder. SR-Moderator Jochen Marmit hat mit dem Kulturwissenschaftler Michael Fischer über das Phänomen der Weihnachtshits gesprochen.

Erfolgreiche Weihnachtslieder verbindet eine überzeitliche Botschaft, meint Kulturwissenschaftler Michael Fischer, der zum Thema Weihnachtslieder forscht: "Man muss das Gesungene mit dem eigenen Leben und den eigenen Gefühlen verbinden können." Deshalb sei zum Beispiel der Song "Last Christmas" so erfolgreich, in dem es um die Bewältigung von Liebeskummer geht.

Gerade neuere Weihnachtsliedern handeln oft nicht von der Weihnachtsbotschaft, sondern es geht um emotional besetzte Themen wie Familie, Kindheit und Erinnerung. Trotzdem meint Fischer: "Subkutan bleiben immer Reste religiöser Gehalte." Selbst ein Song wie "Driving home for Christmas", in dem es um das Heimkommen geht, könne theologisch gedeutet werden.

Mit Blick auf die aktuellen Single-Charts in Deutschland meint Fischer: "Es gibt gerade einen deutlichen Hang zur Nostalgie." Große Klassiker wie "All I want for Christmas" stehen in diesem Jahr ganz oben auf der Liste der meistgehörten Lieder, neue Weihnachtssongs sind dagegen eher die Ausnahme.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 24.12.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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