Offener Brief v. Emile Zola ("J'Accuse") zu der Dreyfus-Affäre (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Ludovic Marin)

Émile Zolas offener Brief erscheint

ZeitZeichen: 13. Januar 1898

 

Sendung: Freitag 13.01.2023 9.05 bis 9.20 Uhr

"J'accuse…!" – "Ich klage an…!" Fettgedruckt über sechs Spalten leitet diese Schlagzeile den wohl schlagkräftigsten Zeitungsartikel aller Zeiten ein: Der bekannte Schriftsteller Emile Zola wendet sich gegen den französischen Staatspräsidenten in einer heiklen Staatsaffäre…

Hintergrund des offenen Briefs ist die so genannte Dreyfus-Affäre. Vier Jahre zuvor war der jüdische Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfus zu Unrecht wegen Geheimnisverrats verurteilt worden: Antisemitismus, Rechtsbeugung und Nationalismus waren eine gefährliche Mischung eingegangen.

Zolas flammendes Plädoyer für Dreyfus' Unschuld spaltete 1898 mit einem Schlag die französische Nation in zwei unversöhnliche Lager.

Audio

Émile Zolas offener Brief erscheint (13.1.1898)
Podcast [SR 2, Sabine Mann, 03.01.2023, Länge: 14:11 Min.]
Émile Zolas offener Brief erscheint (13.1.1898)

Zwei Tage zuvor hatte der Freispruch des wirklichen Landesverräters das Maß für die Verteidiger des jüdischen Offiziers vollgemacht. Zolas publizistischer Stich ins Wespennest der ideologischen Konstruktion eines Schuldigen aus Gründen der Staatsräson brachte dem Schriftsteller den beabsichtigten Verleumdungsprozess, eine Verurteilung und ein Jahr Exil ein, vor allem aber die juristische Revision des Urteils und schließlich eine Rehabilitierung von Alfred Dreyfus.

Darüber hinaus hatte "die Affäre" weit über die Landesgrenzen hinausgehende Folgen für die Verfechter eines verbohrten gefühlsbetonten Nationalismus auf der einen, und die Anhänger einer strikt laizistischen demokratischen und toleranten Staatsform auf der anderen Seite. Eine Kontroverse, die leider aktueller nicht sein könnte. Emile Zola selbst kostete sein Einsatz 1902 vermutlich das Leben.

Von Sabine Mann


Das Bild ganz oben zeigt den Zeitungsartikel "J'Accuse...!", in dem sich der Schriftsteller Emile Zola gegen den französischen Staatspräsidenten wendet (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Ludovic Marin).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Gesa Rünker

E-Mail: sr2@sr.de

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