Heinrich Zille (Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Geburtstag des deutschen Zeichners Heinrich Zille

ZeitZeichen: 10. Januar 1858

 

Sendung: Dienstag 10.01.2023 9.05 bis 9.20 Uhr

Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Das Leben der einfachen Leute ist geprägt von Arbeit und Armut, Krankheit, Suff und Prügelei. Und Heinrich Zille fängt dieses "Milljöh" in eindringlichen Zeichnungen ein - liebevoll, schonungslos, sozialkritisch.

Die Sujets des "Pinselheinrich" genannte Zeichners Heinrich Zille: Kinder drängen sich in lichtlosen Gassen, kleine und muffige Wohnungen, in die nie ein Sonnenstrahl fällt, bröckelnde Wände, schmuddelige Rinnsteine. Niemand hat dieses "Milljöh" dem Bürgertum besser nahe gebracht als ein der bärtiger Mann aus Sachsen, der selbst seine Kindheit zum Großteil in den Armenvierteln Berlins verbrachte. Gegen den Willen der Eltern beginnt er eine Ausbildung als Lithograf und studiert als Abendschüler gleichzeitig an der "Königlichen Kunstschule".

30 Jahre lang, unterbrochen nur durch die Militärzeit, arbeitet er bei der Photographischen Gesellschaft in Berlin und stellt Druckvorlagen her.


Audio

Der Geburtstag des deutschen Zeichners Heinrich Zille (10.01.1858)
Podcast [SR 2, Ulrich Biermann und Veronika Bock, 03.01.2023, Länge: 14:42 Min.]
Der Geburtstag des deutschen Zeichners Heinrich Zille (10.01.1858)


Bekannt wird er als humorvoller Chronist des Proletariats, voller Lokalpatriotismus aber nie ohne Sozialkritik zeichnet er Huren und ihre Freier, kleine Ganoven, spielende Kinder zwischen Mülleimern und Brandmauern. Seine so skizzenhaft wirkenden Zeichnungen sind das Ergebnis langer Studien, sie werden vom Publikum und Künstlern geschätzt. Als freischaffender Künstler hat er ein gutes Auskommen, stellt in der Berliner Secession aus, wird sogar in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen.

Gern vergessen wird dabei, Zille war mehr als der bieder strichelnde Chronist des Milljöh, er mochte es auch drall und drastisch, zeichnet idyllischen Badestudien und erotische Eindeutigkeiten und seine Bedeutung als Fotograf wird allerdings erst lange nach seinem Tod erkannt.

Von Ulrich Biermann und Veronika Bock


Das Bild ganz oben zeigt Heinrich Zille (picture-alliance/ dpa).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Gesa Rünker

E-Mail: sr2@sr.de

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja