Weiße Dame oder White Lady, berühmte Felsmalerei in der Tsisab-Schlucht (Foto: Imago/Imagebroker/Fabian von Pose)

Die Felszeichnung "Weiße Dame" wird in einer Schlucht des Brandbergmassivs entdeckt

ZeitZeichen: 4. Januar 1918

 

Sendung: Mittwoch 04.01.2023 9.05 bis 9.20 Uhr

Heute vor 105 Jahren hält ein Forscher in Namibia einen folgenreichen Mittagsschlaf: Er sucht sich ein schattiges Plätzchen und entdeckt beim Aufwachen tausende Jahre alte Felszeichnungen, heute einer der wichtigsten kulturellen Schätze der Menschheit.

Es ist der deutsche Forscher Reinhard Maack, der sich in einer Schlucht des Brandbergmassivs von "Deutsch Südwest-Afrika" (heute Namibia) nach einem Nickerchen auf das schönste Bild blickt, das er je gesehen hat: Eine Felszeichnung mit Menschen und Tieren - in der Mitte eine große, schlanke Figur; der Oberkörper dunkel, der Unterkörper weiß.


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Die Felszeichnung "Weiße Dame" wird in einer Schlucht des Brandbergmassivs entdeckt (4.1.1918)
Podcast [SR 2, Thomas Pfaff, 22.12.2022, Länge: 14:32 Min.]
Die Felszeichnung "Weiße Dame" wird in einer Schlucht des Brandbergmassivs entdeckt (4.1.1918)


In der einen Hand trägt die Figur einen Bogen, in der anderen einen Gegenstand, der an eine Blume erinnert. Später wird sie den Namen "Weiße Dame" bekommen. Heute gehen die meisten Forscher davon aus, dass es sich um einen männlichen Jäger handelt.

Von Anfang an aber ist klar: Dieses Bild ist etwas Besonderes. Heute ist es das berühmteste Felsbild Afrikas. Gemalt haben es vor mehreren tausend Jahren die Vorfahren der San - ein Nomadenvolk, das die deutschen Kolonialherren damals abfällig "Buschmänner" nennen.

Genanalysen zufolge ist es das älteste Volk der menschlichen Geschichte – und ihre mehr als 50.000 Felsbilder im Brandberg gehören zu den wichtigsten kulturellen Schätzen der Menschheit – eine Art Kathedrale der Steinzeit.

Von Thomas Pfaff


Das Bild ganz oben zeigt die berühmte Felsmalerei "Weiße Dame" oder "White Lady" in der Tsisab-Schlucht (Imago/Imagebroker/Fabian von Pose).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Gesa Rünker

E-Mail: sr2@sr.de

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