Jon Banister (Foto: IMAGO / agefotostock)

John Banister veranstaltet erste öffentliche Konzerte in London

ZeitZeichen: 30. Dezember 1672

 

Sendung: Freitag 30.12.2022 9.05 bis 9.20 Uhr

Seinen Namen kennt heute kaum jemand, und doch schrieb John Banister Musikgeschichte: In einer Kneipe im anrüchigen Londoner Stadtteil Whitefriars ereignete sich der Urknall der europäischen Konzert-Kultur.

Dort veranstaltete der Komponist und königliche Geiger John Banister am 30. Dezember 1672 einen musikalischen Nachmittag, mit Lautenliedern, Instrumentalstücken, Tänzen. Für einen Shilling konnte sich das Publikum Musikstücke wünschen, zuhören oder sich unterhalten, rauchen, trinken, Billiard spielen.

Mit diesem Ereignis beginnt die bürgerliche Musik-Kultur in Europa. Denn zuvor waren solche Vergnügungen dem Adel und den Höfen vorbehalten. In der Kirche diente Musik dem Gottesdienst, nicht der Unterhaltung.

John Banister war mit seiner Konzertreihe aber ein kommerziell orientierter und erfolgreicher Musik-Unternehmer. Sein Beispiel wurde in ganz Europa nachgeahmt. Es entstand ein Musik-Markt, eine neue Form des Musik-Hörens.

In ganz Europa entstanden Konzertgesellschaften, die eigene Reihen organisierten und Konzert-Säle einrichteten. Dort konnten sich Musikfreunde versammeln, neue und alte Werke hören, sich austauschen. Eine solche Konzertkultur gehört heute zum gesellschaftlichen Leben.

Es gibt unterschiedliche Konzertformen, um Publikum zu erreichen: in einzigartigen Gebäuden wie dem Wiener Konzertverein oder der Elbphilharmonie, unter freiem Himmel, für Babys oder Demenzkranke, für Jugendliche in Clubs oder als Event in rohen Industriehallen, ob live oder im Internet.

John Banister ist heute vergessen. Doch begraben wurde er 1679 in der Nähe von Georg Friedrich Händel, Henry Purcell und Queen Elisabeth I. in Westminster Abbey.

Von Christian Kosfeld


Das Bild ganz oben zeigt Jon Banister (IMAGO / agefotostock)


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Gesa Rünker

E-Mail: sr2@sr.de

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