Emil Krebs (Foto: Wikipedia/Nachlass Krebs)

Der Geburtstag des Sprachgenies Emil Krebs

ZeitZeichen: 15. November 1867

 

Sendung: Dienstag 15.11.2022 9.05 bis 9.20 Uhr

Emil Krebs sprach 68 Sprachen. Die meisten davon brachte er sich innerhalb weniger Wochen selbst bei. 40 Sprachen beherrschte er so gut, dass er amtliche Übersetzungen für das Auswärtige Amt anfertigen durfte. Sein Gehirn wurde nach Emil Krebs´ Tod untersucht – faszinierend bleibt das Sprachgenie bis heute…

Geboren als Sohn eines Zimmermeisters, war Emil Krebs schon als Jugendlicher der Sprachunterricht in der Schule zu wenig. Autodidaktisch lernte er einfach weiter und fand dann am orientalischen Seminar der Universität Berlin schnell zum Chinesischen. Eine ebenso herausfordernde wie gesuchte Sprache: Im Kaiserreich trieben deutsche Unternehmen immer eifriger Handel mit China, 1897 verleibte sich das Deutsche Reich die Gegend um Qingdao als sogenanntes Schutzgebiet ein.

Sprachgenie Emil Krebs (15.11.1867)
Podcast [SR 2, Kerstin Hilt, 08.11.2022, Länge: 14:42 Min.]
Sprachgenie Emil Krebs (15.11.1867)

Emil Krebs arbeitet schon seit 1893 in Peking für die deutsche Gesandtschaft als Übersetzer – und ist dort oft der einzige, der die fremde Sprache überhaupt spricht. Bald geht er in gebildeten chinesischen Familien ein und aus, wird später sogar von der Witwe des Kaisers empfangen – und ist wohl nicht wirklich überzeugt von der ausbeuterischen und gewaltsamen Kolonialpolitik seines Auftraggebers.

Mit dem Ersten Weltkrieg geht das deutsche Kolonialabenteuer zu Ende, was Emil Krebs zunächst ermöglicht, sich ganz seinen Sprachstudien zu widmen: 68 Sprachen versteht und spricht er, seine Privatbibliothek umfasst Schriften in insgesamt 111 Sprachen.

Versuche, ihm eine wissenschaftliche Anstellung zu verschaffen, scheitern – ob aus akademischem Hochmut gegenüber dem Autodidakten oder weil Krebs weiterhin dem Auswärtigen Amt als Dolmetscher verbunden bleibt, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Allerdings: Nach seinem Tod wird Krebs für die Wissenschaft noch einmal auf ganz konkrete Weise interessant.

Forscher untersuchen sein Gehirn – und entdecken, dass ein für Sprachproduktion relevantes Areal im Schläfenbereich bei Emil Krebs besonders ausgeprägt war.

Von Kerstin Hilt


Das Bild ganz oben zeigt Emil Krebs (Wikipedia/Nachlass Krebs).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Gesa Rünker

E-Mail: sr2@sr.de

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