Ingeborg Syllm-Rapoport bei der feierlichen Übergabe ihre Promotionsurkunde.  (Foto: picture alliance / Bodo Marks/dpa | Bodo Marks)

Der Geburtstag der deutschen Medizinerin Ingeborg Rapoport

ZeitZeichen: 2. September 1912

 

Sendung: Freitag 02.09.2022 9.05 bis 9.20 Uhr

Ihren Doktortitel hat die Medizinerin Ingeborg Rapoport im Alter von 102 Jahren verteidigt. Da ist die Kinderärztin längst eine verdiente Forscherin und Kämpferin gegen die Säuglingssterblichkeit.

Dass Säuglinge ihren ersten Geburtstag nicht erleben: Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte war das völlig normal. Ingeborg Rapoport will sich damit nicht abfinden.

An der renommierten Charité findet sie zu DDR-Zeiten für ihre Forschung fast ideale Bedingungen vor. Sie gründet den ersten europäischen Lehrstuhl für für Neu- und Frühgeborenenmedizin und versucht unermüdlich, Forschung, Behandlung und Pflege besser miteinander zu verzahnen. Dabei hilft, dass sich die DDR die Senkung der Säuglingssterblichkeit zum politischen Ziel gemacht hat. Ingeborg Rapoport ist überzeugte Sozialistin; in der DDR, ihrer "dritten Heimat", fühlt sie sich angekommen.

Geboren wird sie in am 2. September 1912 in Kamerun – und muss das Deutsche Reich, ihre erste Heimat, 1938 verlassen: Wegen ihrer jüdischen Großeltern wird sie als angehende Medizinerin nicht zur Promotion zugelassen. In den USA wiederum, ihrer zweiten Heimat, gerät sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Biochemiker Samuel Mitja Rapoport, wegen ihrer sozialistischen Überzeugungen zunehmend in Schwierigkeiten.

Ihre Promotion, die ihr die Nazis einst verweigert hatten, hat sie in der DDR nie nachholen müssen, um forschen und praktizieren zu können. 2015 schließlich darf sie an ihrer ehemaligen Universität in Hamburg ihre Doktorarbeit von einst verteidigen – und wird mit 102 Jahren endlich auch ganz offiziell promoviert.

Von Kerstin Hilt


Das Bild ganz oben zeigt die Kinderärztin Ingeborg Syllm-Rapoport, die am 9. Juni 2015 ihre Promotionsurkunde in den Händen hält (picture alliance / Bodo Marks/dpa | Bodo Marks).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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