Blick auf das von über 100 Vietnamesen bewohnte Haus neben dem Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen am 25.08.1992, das am Vortag von ausländerfeindlichen Randalierern in Brand gesetzt wurde.  (Foto: picture alliance / dpa | Jens Kalaene)

Ausländerfeindliche Gewalttaten in Rostock

ZeitZeichen: 22. August 1992

 

Sendung: Montag 22.08.2022 9.05 bis 9.20 Uhr

In den 1990er Jahren beherrscht ein Angst-Thema die politische Debatte in Deutschland: Wie gehen wir mit Flüchtlingen um – die damals in weiten Kreisen noch „Asylanten“ heißen? Am Abend des 22. August 1992 kippt in Rostock-Lichtenhagen die Stimmung, vor den Kameras und Augen der Welt passiert etwas, das später als „Pogrom“ beschrieben wird…

Die Angst vor Ausländern, die Legende von einem Deutschland, das kein Einwanderungsland sei: Seit den 1980er Jahren ist die Migrationspolitik ein politisches Minenfeld. CDU und CSU prägen das Wort vom „Asylbetrug“ und heizen – gemeinsam mit den rechten Parteien, den Republikanern und der DVU das Thema weiter an. Nach der Wiedervereinigung verschärfen sich die Auseinandersetzungen, auch weil flüchtende Menschen aus den Kriegsgebieten des zerfallenen Jugoslawien nach Deutschland kommen. Immer häufiger kommt es in ganz Deutschland zu Übergriffen und Angriffen auf Ausländer und Flüchtlingsheime.

Am Abend des 22. August 1992 versammeln sich etwa 2.000 bis 3.000 Menschen vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen. Bald fliegen Molotow-Cocktails durch die Fenster. Die Angriffe gegen die Bewohner eskalieren, es sind vor allem Vietnamesen. Die Polizei greift lange nicht ein. Das Bild eines im ausländerfeindlichen Rausch eingenässten Schaulustigen in Jogginghosen geht um die Welt. Vier Tage dauern die Übergriffe in Rostock, die als die bis dahin schlimmsten fremdenfeindlichen Ausschreitungen nach dem zweiten Weltkrieg in dies Geschichte eingehen.

Von Wolfgang Meyer


Das Bild ganz oben zeigt den Blick auf das von über 100 Vietnamesen bewohnte Haus neben dem Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen am 25.08.1992, das am Vortag von ausländerfeindlichen Randalierern in Brand gesetzt wurde. (picture alliance / dpa | Jens Kalaene).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja