Johann Ludwig Uhland, 1787 - 1862 (Foto: imago/agefotostock/Heinz-Dieter Falkenstein)

"Singe, wem Gesang gegeben" - Ludwig Uhland notiert die berühmte Zeile

ZeitZeichen: 24. Mai 1812

 

Sendung: Dienstag 24.05.2022 9.05 bis 9.20 Uhr

Der Satz gehört in jede Zitatesammlung: "Singe, wem Gesang gegeben!" Nur auf den ersten Blick passt die Zeile zu aktuellen Casting-Shows, wo Menschen versuchen zu beweisen, dass ihnen Gesang gegeben sei. Die Bedeutung wurzelt tiefer.

Es gibt Worte, die flattern durch die Welt, während längst vergessen ist, wer der dazugehörige Autor war. Die fragliche Zeile hat sich der schwäbische Dichter Ludwig Uhland ausgedacht und am 24. Mai 1812 in seinem Tagebuch notiert. 

Uhland gehört zu den Dichtern der Romantik, die gegen die festen Formen der Klassik anschreiben. Gedichte sollen klingen wie Volkslieder, denn Gedichte werden in dieser Zeit umgehend vertont. Das Singen wird organisiert, es entstehen Liedertafeln und Gesangsvereine. Dort wird aber nicht nur gesungen, sondern auch debattiert. Sogar die Schranke zwischen Bürger und Adel soll durch den Gesang niedergerissen und die Zerstückelung Deutschlands in hunderte Fürstentümer überwunden  werden - indem es sich auf gemeinsame Wurzeln im Volkslied besinnt. Wieviel Gemeinschaft wohnt im Gesang? Historisch wie aktuell?

Von Ralph Erdenberger


Ludwig Uhland notiert die berühmte Zeile "Singe, wem Gesang gegeben" (24.5.1812)
Podcast [SR 2, Ralph Erdenberger, 10.05.2022, Länge: 13:52 Min.]
Ludwig Uhland notiert die berühmte Zeile "Singe, wem Gesang gegeben" (24.5.1812)

Das Bild ganz oben zeigt Johann Ludwig Uhland (imago/agefotostock/Heinz-Dieter Falkenstein).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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