Rainer Barzel schüttelt Kanzler Willy Brandt die Hand nach dem überstandenen Mißtrauensvotum im Bundestag (Foto: MAGO / United Archives International)

Das Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt

ZeitZeichen: 27. April 1972

 

Sendung: Mittwoch 27.04.2022 9.05 bis 9.20 Uhr

Es war ein Krimi. Tatort: Der Deutsche Bundestag. Beteiligte: Willy Brandt, der gestürzt werden sollte, sein Herausforderer Rainer Barzel, außerdem 50.000 Mark Bestechungsgeld, wahrscheinlich auch Stasi-Spione. Und die Republik war live am Fernseher und Radio dabei.

Dieser Skandal war einzigartig in der noch jungen Geschichte der Bundesrepublik. Es ist der 27. April 1972. Bundeskanzler Willy Brandt steht kurz davor, sein Amt zu verlieren. Einige Abgeordnete haben die Regierung verlassen und sind zur Opposition übergetreten. Die hat nun die Mehrheit.

Die CDU/CSU wittert Morgenluft und will Brandt mit einem Misstrauensvotum stürzen. Ihre Kritik: Brandt setze mit seiner Ostpolitik die Wiedervereinigung Deutschlands aufs Spiel! Neuer Bundeskanzler soll Rainer Barzel von der CDU werden.

In ganz Deutschland verfolgen die Bürgerinnen und Bürger die Abstimmung am Radio oder Fernseher. Barzel sieht wie der sichere Sieger aus. Doch am Ende fehlen ihm zwei Stimmen, Brandt bleibt Bundeskanzler. Allerdings: Es ist nicht mit rechten Dingen zugegangen: Einer, höchstwahrscheinlich sogar zwei Abgeordnete sind bestochen worden. Erst einen Untersuchungsausschuss und einige Jahre später kommt etwas Licht in dieses zwielichtige Kapitel des deutschen Parlamentarismus.

Von Hans Rubinich


Das Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt (27.4.1972)
Podcast [SR 2, Hans Rubinich, 12.04.2022, Länge: 14:37 Min.]
Das Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt (27.4.1972)

Das Bild ganz oben zeigt Rainer Barzel, der Kanzler Willy Brandt die Hand nach dem überstandenen Mißtrauensvotum im Bundestag schüttelt (Foto: IMAGO / United Archives International).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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