Johann Reichhart,  Archivaufnahme1967 (Foto: IMAGO / United Archives International/Topfoto)

Der Todestag des deutschen Scharfrichters Johann Reichhart

ZeitZeichen: 26. April 1972

 

Sendung: Dienstag 26.04.2022 9.05 bis 9.20 Uhr

Sein Leben war der Tod. Er tötete im Staatsauftrag 3165 Menschen, darunter Hans und Sophie Scholl. Das "ZeitZeichen" widmet sich der schweren, verstörenden, aber erzählenswerten Biographie des Johann Reichhart.

Johann Reichhart stammte aus einer bayerischen Scharfrichter-Familie: Er übte das Gewerbe aus, das die Männer seiner Familie bereits im 18. Jahrhundert betrieben hatten. Doch als Johann Reichhart zur Zeit der Weimarer Republik den Beruf des Scharfrichters ergriff, erlebte er finanziell schlechte Zeiten, denn die Zahl der Hinrichtungen und damit sein Einkommen gingen immer mehr zurück.

Reichhart handelte also eine Zeit lang in den Niederlanden inkognito mit Gemüse und fuhr nur im Bedarfsfall zu Hinrichtungen nach Deutschland. Mit Beginn der NS-Zeit brachen für ihn dann reiche Zeiten an: Festanstellung, üppige Entgelte, erschreckend viele Hinrichtungen. Reichhart perfektionierte zudem ein System der Schnellhinrichtung, dem in der NS-Zeit zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Reichhart tötete auch Hans und Sophie Scholl.

Nach dem 2. Weltkrieg beschäftigte ihn die US-Militärregierung. In ihrem Auftrag brachte Reichhart 156 verurteilte NS-Kriegsverbrecher um. Während der anschließenden Entnazifizierung wurde er zeitweise in Gewahrsam genommen und ein Teil seines Vermögens eingezogen. Seine Frau verließ ihn, sein Sohn beging 1950 Suizid. Reichhart selbst starb 1972 verarmt.

Von Heiner Wember


Der Todestag des deutschen Scharfrichters Johann Reichhart (26.04.1972)
Podcast [SR 2, Heiner Wember, 12.04.2022, Länge: 14:34 Min.]
Der Todestag des deutschen Scharfrichters Johann Reichhart (26.04.1972)

Das Bild ganz oben zeigt Johann Reichhart im Jahr 1967 (Foto: IMAGO / United Archives International/Topfoto).


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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