Grabstätte Christoph Wilhelm Hufeland (Foto: IMAGO / Schöning)

Der Todestag des Arztes Christoph Wilhelm Hufeland

ZeitZeichen: 25. August 1836

 

Sendung: Mittwoch 25.08.2021 9.05 bis 9.20 Uhr

"Der Arzt hilft, die Natur heilt" - diese bescheidenen Worte von Hippokrates, die Hufeland sich früh zu eigen gemacht hatte, zieren heute den Eingang des Hufeland Klinikums in Mühlhausen, unweit seines Geburtsorts Bad Langensalza in Thüringen. Dabei erwarteten manche von Hufelands Patienten nicht weniger als Wunder von ihm. Oder zumindest an Aufopferung grenzendes ärztliches Engagement.

Im Oktober 1806 zum Beispiel, Napoleons Truppen haben Preußen gerade in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen, verlangt Königin Luise nach ihrem Leibarzt Christoph Wilhelm Hufeland. Er möge sie auf der Flucht begleiten. Luise erkrankt an Typhus, zieht trotzdem weiter ins Exil; Hufeland, fast am Ende seiner ärztlichen Kunst, immer im Schlepptau. Und zu allem Unglück folgt ihm noch seine Frau mit sechs ihrer sieben Kinder und kündigt ihrem zwischen die Mühlsteine der Weltgeschichte geratenen Gatten, dem der Beruf wichtiger zu sein scheint als die Familie, die Treue: Scheidung nach 18 gemeinsamen Ehejahren.

Hufeland stürzt sich in Arbeit, wie immer schon – und wird zu einer der prägendsten Figuren seiner Zeit. In seiner ersten Praxis in Weimar hatte er bereits Goethe, Schiller, Herder, Wieland therapiert, an der Universität Jena in seinen Vorlesungen für eine sanfte Medizin plädiert, die sich die Heilkraft der Natur zunutze macht. Heute gilt Hufeland als Urvater der Naturheilkunde.

In Berlin schließlich leitet er die Charité, gründet Armenkrankenhäuser, reüssiert als Staatsrat und Leiter der Militärakademie – ein Leben zwischen Politik, Lehre und Barmherzigkeit. Es endet im Alter von 74 Jahren in Berlin: Erschöpft, auf einem Auge erblindet – aber immerhin: mit einer zweiten Frau an seiner Seite. Bestattet wird er in einem Ehrengrab, das bis heute auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof erhalten ist.

Von Kerstin Hilt


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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