Heiner Geißler (Foto: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild)

Der Geburtstag des CDU-Politikers Heiner Geißler

ZeitZeichen: 3. März 1930

 

Sendung: Dienstag 03.03.2020 9.05 bis 9.20 Uhr

Eigentlich wollte Heiner Geißler jesuitischer Priester werden. Doch kurz vor seiner Weihe verließ er den Orden. Er fühlte sich außerstande, die drei Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam einzuhalten. Stattdessen wurde der in Oberndorf am Neckar geborene Schwabe Mitglied in der CDU, Jurist und ein ziemlich rücksichtsloser Politiker.

Geißler ging als CDU-Generalsekretär keinem Streit aus dem Weg. In der verbalen Auseinandersetzung mit politischen Gegnern kannte er häufig kein Erbarmen. Die SPD beschimpfte er als "Fünfte Kolonne Moskaus", die Grünen als "Volkssturm der SPD". Ex-Bundeskanzler Willy Brandt bezeichnete ihn wegen seiner polarisierenden Aussagen als "größten Hetzer seit Goebbels".

Heiner Geißler war zwischen 1977 und 1989 neben dem Parteivorsitzenden Helmut Kohl die zentrale Figur der CDU. Da Kohl aber eine andere Vorstellung von der Modernisierung der Partei hatte und Gehorsam nach wie vor keine Stärke des ehemaligen Jesuitenschülers war, kam es zum Zerwürfnis und zu Geißlers Ablösung als Generalsekretär.

Im Lauf der Jahre entwickelte sich der aggressive Hetzer zum moralischen Gewissen der Union. Geißler wetterte vor allem gegen das neoliberale Wirtschaftssystem, das er als krank, unsittlich und ökonomisch falsch charakterisierte. Für Aufsehen sorgte er 2007, als er Mitglied im globalisierungskritischen Netzwerk "attac" wurde. Bis zuletzt erhob er seine Stimme für eine christlich geprägte soziale Gesellschaft. Im September 2017 starb Heiner Geißler im Alter von 87 Jahren zu Hause im kleinen Örtchen Gleisweiler an der südpfälzischen Weinstraße.

Von Wolfram Stahl


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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