Ralph Giordano (Foto: dpa/Axel Heimken)

Der Todestag des Publizisten Ralph Giordano

ZeitZeichen: 10. Dezember 2014

 

Sendung: Dienstag 10.12.2019 9.05 bis 9.20 Uhr

"Hier kennt uns noch keiner – aber das wird sich bald ändern". Sagt Ralph Giordano Anfang der 1960er Jahre zu seinem Kollegen, als er vor dem WDR-Filmhaus steht. An mangelndem Selbstbewusstsein fehlt es ihm nie – und er wird Recht behalten. Mit Dokumentationen wie "Heia Safari" über die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika oder "Die armenische Frage existiert nicht mehr" über den Genozid an den Armeniern setzt er Maßstäbe für den Dokumentarfilm in der Bundesrepublik.

Als Verfolgter des Naziregimes – der Sohn einer jüdischen Mutter überlebt den Holocaust mit seiner Familie in einem Versteck in Hamburg – steht er immer auf der Seite der Verfolgten und der Opfer staatlicher Macht. Sein Bestseller "Die zweite Schuld" setzt in den 1980er Jahren das Ausmaß der Verdrängung des Nationalsozialismus in der deutschen Justiz auf die politische Tagesordnung.

1992 wird der wortgewaltige Giordano endgültig zu einer Art Gewissen der Nation, als er in einem offenen Brief an Bundeskanzler Kohl das Versagen der Politik vor und nach den Ausschreitungen von Hoyerswerda und den Brandanschlägen von Mölln anprangert.

Umso tragischer, dass Ralph Giordano im hohen Alter seinen moralischen Kompass verliert, in der Integrationsdebatte Thilo Sarrazin Recht gibt, den Bau der Kölner Großmoschee als "Landnahme auf fremdem Territorium" bezeichnet und ausgerechnet von denen Beifall bekommt, die er zeitlebens bekämpft hat: Von Nazis und rechten Populisten.

Von Thomas Pfaff


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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