Historische handschriftliche Noten (Foto: dpa/Peter Steffen)

Der Todestag des Komponisten Walter Braunfels

ZeitZeichen: 19. März 1954

 

Sendung: Dienstag 19.03.2019 9.05 bis 9.20 Uhr

Er galt als Jahrhunderttalent, wurde verglichen mit Strauss, Berlioz und Puccini. Sein Aufstieg als Komponist schien unaufhaltsam. Doch dann wurde er verfolgt und vergessen. Walter Braunfels wird 1882 in eine wohlhabende Familie geboren. Seine Mutter ist eine Großnichte von Louis Spohr. Der Vater, ein Jurist, konvertierte vom jüdischen zum protestantischen Glauben. Braunfels studiert Klavier und Komposition in Wien und München, bewegt sich in exklusiven Künstlerkreisen.

Seine Oper „Prinzessin Brambilla“ gilt 1909 als zukunftsweisend. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrt er verwundet zurück, und tritt zum Katholizismus über. Mit seiner Oper „Die Vögel“ macht er 1920 Richard Strauss Konkurrenz. Braunfels ist ein Klangmagier. Seine expressive, aufgeladene Musik wird von bedeutenden Dirigenten wie Fritz Busch, Otto Klemperer und Bruno Walter aufgeführt und vom Publikum gefeiert. 1925 wird Braunfels Gründungs-Direktor der Hochschule für Musik in Köln. Die Nationalsozialisten entheben ihn jedoch - als sogenannten "Halb-Juden" - aller Ämter, er bekommt Aufführungsverbot, wird verfolgt.

Der Komponist zieht mit seiner Familie an den Bodensee, ins innere Exil. Ein Schweizer Mäzen unterstützt ihn. "Ich spürte, dass, wenn ich mein Land verließe, die wichtigste Wurzel meines Schaffens mit ausrisse". Braunfels komponiert Tondichtungen für Orchester, Solo-Konzerte, Kammermusik, Geistliche Chorwerke, Opern. 1945 beruft ihn sein Freund Konrad Adenauer wieder zum Rektor der Kölner Musikhochschule. Doch mit seinen tonalen, emotionsgeladenen Werken kann der Komponist sich nicht gegen die zeitgenössische Avantgarde durchsetzen.

Von Christian Kosfeld


"ZeitZeichen"

Montag bis Freitag um 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Seit über 40 Jahren ist die Sendung "ZeitZeichen" eine feste Institution in der deutschen Radiolandschaft. Mit erzählerischer Kraft, analytischer Brillanz und publizistischer Kompetenz erinnert das "ZeitZeichen" an wichtige Daten und Ereignisse. Dabei geht nicht nur um Geschichte, Politik, Kunst und Kultur, sondern auch das Alltägliche, bis hin zum Skurrilen.

Neben dem aufwändig komponierten Beitrag sind im 15-minütigen "ZeitZeichen" alle Darstellungs- und Stilformen des Hörfunks zu erleben, von der reinen O-Ton-Collage über die Reportage bis hin zum Mini-Hörspiel.

Das ZeitZeichen ist eine Kooperation von SR 2 KulturRadio mit dem Westdeutschen Rundfunk.

Redaktion SR: Peter Weitzmann

Redaktion WDR: Michael Rüger

E-Mail: sr2@sr.de

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