Ein Stahlarbeiter bearbeitet eine Stahlpfanne. (Foto: picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa)

Studie sieht hohe Risiken für Stahlbranche

Karin Mayer   04.06.2020 | 07:11 Uhr

Trotz erfolgreicher Innovationen und hoher Investitionen in moderne Fertigungsanlagen ist die saarländische Stahlindustrie in ihrer Existenz gefährdet. Das geht aus einer Studie des Isoplan-Instituts im Auftrag des Verbands der Saarhütten hervor.

Es ist eine Branche mit tollen Jobs, mit guter Bezahlung und gut ausgebildetem Personal - Karsten Schreiber könnte ins Schwärmen kommen. Der Wissenschaftler hat sich zum zweiten Mal mit der Stahlindustrie beschäftigt. Positiv ist ihm aufgefallen: Die Zahl der Beschäftigten ist seit 2012 stabil geblieben. Dafür hat der Betriebsratsvorsitzende von Saarstahl Stephan Ahr hart gekämpft. Mit Stahlaktionstagen und Demonstrationen, mit dem Walk of Steel ist er bis nach Brüssel zur EU Kommission gegangen. Seine Botschaft: Die guten Jobs in der Stahlindustrie sind gefährdet.

„Das Saarland und die Stahlindustrie – der lange Kampf um die Arbeitsplätze“
Video [SR.de, (c) Lars Ohlinger, 04.06.2020, Länge: 16:34 Min.]
„Das Saarland und die Stahlindustrie – der lange Kampf um die Arbeitsplätze“

Faire Bedingungen gefordert

Stahlindustrie braucht Unterstützung
Audio [SR 2, (c) Karin Mayer, 04.06.2020, Länge: 03:36 Min.]
Stahlindustrie braucht Unterstützung

Billigkonkurrenz auf dem Weltmarkt sei durch geringe Umwelt- und Sozialstandards im Vorteil. Gleichzeitig verlangten die EU und die Bundesregierung immer höhere Umweltabgaben. Durch Billigimporte und Druck auf die Preise haben Dillinger und Saarstahl im vergangenen Jahr hohe Millionenverluste gemacht. Die Stahlwerke Bous erreichen nach eigenen Angaben immerhin eine schwarze Null. Schon vor der Corona sei es 5 vor 12 für die Stahlunternehmen gewesen, betont der Vorstandsvorsitzende von Dillinger und Saarstahl Tim Hartmann.

Betriebsräte fordern deshalb ebenso wie der Vorstandsvorsitzende von Dillinger und Saarstahl Hartmann Schutz vor Billigimporten in der EU. Anders als die saarländischen Stahlunternehmen sei im Ausland auch während der Corona-Krise weiter Stahl produziert worden. Er befürchtet, dass nun Billigimporte den Markt überschwemmen. Der Betriebsratsvorsitzende von Saarstahl Stephan Ahr verlangt strengere Schutzzölle statt immer neue Lockerungen.

Studie zur Zukunft der Stahlindustrie
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 04.06.2020, Länge: 02:48 Min.]
Studie zur Zukunft der Stahlindustrie

Zukunft nur mit Grünem Stahl

Aktuell Lage in der Stahlindustrie
Audio [SR 2, (c) Karin Mayer, 04.06.2020, Länge: 02:57 Min.]
Aktuell Lage in der Stahlindustrie

In den letzten Jahren haben die Stahlunternehmen immer neue Stahlsorten mit neuen Eigenschaften entwickelt. Dillinger sei beispielsweise führend bei Stahl für Offshore Windparks, so Karsten Schreiber vom Isoplan-Institut. Dennoch komme die Branche ihren Grenzen. Laut Studie kann die Stahlindustrie nur durch den Umbau auf Grünen Stahl überleben. Die Industrie muss dafür ihre Produktionsanlagen erneuern und auf Wasserstofftechnologie umstellen.

Der Vorstandsvorsitzende von Dillinger und Saarstahl Tim Hartmann fordert dafür die Rahmenbedingungen von der öffentlichen Hand. Gebraucht werden die Versorgung mit Wasserstoff und faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Weltmarkt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will den grünen Wasserstoff durch eine Zusammenarbeit mit den Ölländern produzieren. Im Saarland.pod sagte er, er sei bereits mit Ländern wie Saudi-Arabien und den Emiraten im Gespräch. Sie könnten künftig mit deutscher Technologie Wasserstoff herstellen. Daran hätten sie auch Interesse, weil sie auf der Suche nach neuen Märkten für die Zeit nach der Ölförderung suchten.

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