Saarland.pod: "Autoland Saarland" (Foto: Benjamin Morris)

"Umbruch oder Abbruch?" - Das "Autoland Saarland" sucht seine Zukunft

saarland.pod - Der Politik-Podcast des Saarländischen Rundfunks

  13.09.2019 | 11:00 Uhr

"Umbruch oder Abbruch?" – so heißt die neue Folge unseres Politik-Podcast saarland.pod. Diesmal geht es um die Automobilindustrie, die wohl vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte steht. Über einige der vielen offenen Fragen hat Moderator Peter Weitzmann mit Anke Rehlinger, Dr. Marcus Speicher und Peter Schumann gesprochen.

Diesel-Krise, Klimadebatte, Elektrooffensiven mit zu wenig Lademöglichkeiten, Wasserstoffautos ohne Tankstellen, stagnierende Absätze und eine unsichere Zukunft. Die Automobilindustrie steht wohl vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte. Wenn sie - gemeinsam mit der Politik - dabei zu viele Fehler macht, droht ein Abbruch in der Branche, die das wirtschaftliche Aushängeschild Deutschlands ist. Im Saarland verdienen rund 44.000 Menschen im Automobilbereich ihr Geld. Und die Krise hat längst ihre Spuren hinterlassen: bei einigen Zulieferern gibt es Kurzarbeit, im Ford-Werk Saarlouis wurde eine Schicht gestrichen. Ratlos sind auch viele Autofahrer und Autokäufer, etwa wenn es um den Kauf eines Neuwagens geht. Das belastet wiederum die Händler.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger betont, dass die Entwicklung der Autoindustrie für die Zukunftsfähigkeit des Saarlandes von "extremer Bedeutung" sei. Dabei müsse man sich in den Zukunftsfeldern so aufstellen, dass man möglichst viele Arbeitsplätze erhalte. Dazu gehören für Rehlinger auch weiterhin Innovationen bei der Verbrennungstechnologie, speziell im Bereich des Diesels.

Auch Dr. Marcus Speicher, Werksleiter von Nemak in Dillingen, betont mit Blick auf die Umweltbilanz von Elektroautos, dass man die ganze Emissionskette von der Rohstoffgewinnung bis zum Lebensende des einzelnen Fahrzeugs in den Blick nehmen müsse. Hier sieht er Verbrenner noch häufig im Vorteil. Dennoch setzt man angesichts der zu erwartenden Entwicklung der Elektromobilität in Dillingen darauf, auch Gehäuse für E-Motoren zu entwickeln und zu bauen.

Das bei Nemak aktuell gefundene Modell mit Arbeitszeitverkürzungen Entlassungen weitgehend zu vermeiden, macht Speicher auch stolz auf die Belegschaft. Wirtschaftlich gebe es derzeit eine gewisse Stabilität, Vorhersagen für die Produktion im eigenen Werk seien allerdings selbst für die nahe Zukunft schwierig, da die Abrufschwankungen von Produkten – bei Nemak in Dillingen vor allem Motorblöcke - durch die Hersteller mittlerweile sehr hoch seien. Dies sei wesentlich der Verunsicherung bei den Endkunden, also den Autokäufern, geschuldet.

Verunsicherung bei Kunden

Auch Autohändler Schumann bestätigt, dass derzeit bei vielen Kunden Verunsicherung herrscht, was auch der "Brandmarkung des Diesel-Antriebs" geschuldet sei und insgesamt zu einer "Delle" bei den Zulassungen führe.

Für die Werkstätten und Händler lässt der Wandel zum Elektroauto zudem das Wegbrechen eines maßgeblichen Teils der Umsätze befürchten, so Schumann, da die Wartungs- und Reparaturbedürftigkeit dieser Fahrzeuge absehbar deutlich geringer sein wird. Das könne steigende Stundenverrechnungssätze für die Kunden bedeuten.

Das Auto der Zukunft

Neben einem klugen Strukturwandel hin zu neuen Antriebsformen auf einer realistischen Zeitachse, setzt Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger für das Saarland auch auf Technologien wie das autonome Fahren. Hier könne die saarländische Forschungslandschaft, etwa beim Thema Sicherheit der Software, eine wichtige Rolle spielen. Um die Kompetenz auf diesem Feld früh zu fördern, würde Rehlinger es begrüßen, wenn in den Schulen ein Fach "Informatik" eingeführt würde.

Aber auch in der Produktion sieht die Wirtschaftsministerin Chancen für das Saarland weiter mitzuspielen, beispielsweise bei Ford. "Wir können das Auto der Zukunft für Ford in Saarlouis wettbewerbsfähig bauen, man muss uns nur die Chance dazu geben", so Rehlinger.

Saarland.pod: "Autoland Saarland" (Foto: Benjamin Morris)
Anke Rehlinger, Dr. Marc Speicher, Peter Schuman & Moderator Peter Weitzmann


Es diskutieren:

  • Anke Rehlinger (Wirtschaftsministerin des Saarlandes, SPD)
  • Dr. Marcus Speicher (Werksleiter, Nemak Dillingen)
  • Peter Schumann (ehemaliger Vorsitzender des Händlerverbands von Hyundai Deutschland)

Moderation: Peter Weitzmann


Mehr zum Thema:



Dieselkrise, Brexit, Handelsstreit
Bluten Autozulieferer im Saarland aus?


Einkommensverzicht für Arbeitsplätze
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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 13.09.2019 auf SR 2 KulturRadio.


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