Die CD der Woche: Amira Medunjanin & Trondheim Soloists - "Ascending"

Amira Medunjanin & Trondheim Soloists: "Ascending"

Die neue CD von Amira Medunjanin und den Trondheim Soloists

Steffen Kolodziej   17.12.2019 | 11:20 Uhr

Amira Medunjanin, 1972 geboren in Sarajewo, hat sich in den letzten 15 Jahren einen sehr respektablen Ruf erarbeitet.

Sie gilt weit über die Grenzen Bosnien-Herzegowinas hinaus als moderne und durchaus eigenwillige Interpretin der Sevdalinka. Das sind traurige Liebesgedichte in Liedform. Ursprünglich Volksmusik der Städter in Bosnien-Herzegowina. Im Prinzip ähnlich wie der Fado von Lissabon und Porto: traurig und voller Weltschmerz, aber im Unterschied zum Fado auch noch geprägt von der musikalischen Kultur des früheren osmanischen Reiches und von der Musik der Sinti und Roma.

Moj Dilbere zum Beispiel: Immer noch eins der populärsten Lieder dieser Sevdalinka, stammt noch aus osmanischer Zeit, und ist vom Text her sicherlich nicht mehr zeitgemäß: da bittet die Frau den Angebeteten, sie doch mitzunehmen in die Stadt und dort gegen ein Goldstück einzutauschen. Mit dem er sich dann das Garagentor vergolden könne. Nee: das muss ein gewaltiger Übersetzungsfehler sein. Und wenn es wirklich der korrekte Text sein sollte, dann kann die moderne Frau das eigentlich nicht mehr singen. Oder doch, wenn sie wie Amira Medunjanin einiges an Girlanden drumrum arrangiert.

Für einen großen Teil der Verzierungen sind in diesen Arrangements die Trondheim Soloists zuständig. Und die fiedeln zwar die eine oder andere Stelle einfach so weg, sind aber ansonsten, wie heißt es so schön: mit Feuereifer bei der Sache.

Eigentlich hätten sie vor zwei Jahren Medunjanin nur für ein Stück begleiten sollen, während eines Konzertes in Trondheim. Nun ist ein ganzes quasi abendfüllendes, faszinierendes Album draus geworden. Dass klassische Ensembles auf Entdeckungstour jenseits des etablierten Kanons gehen, war in den letzten Jahren häufiger zu erleben. Aber selten, dass sie wie hier eine kongeniale Partnerin treffen und deren Konzept zum Funkeln bringen: traditionelles Liedgut in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu gliedern und klingen zu lassen. Mag sein, dass man sich einhören muss – aber wenn man sich drauf einlässt, könnte dieses Album den Gefühlshorizont des Hörers und der Hörerin erweitern.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Vormittag" vom 17.12.2019 auf SR 2 KulturRadio.


MusikWelt

Immer samstags gegen 11.20 Uhr
in der Sendung "SR 2 - Der Vormittag" auf SR 2 KulturRadio

Musikthemen aus der Region hören Sie darüber hinaus von Montag bis Freitag zwischen 6 Uhr und 22:30 Uhr:

Aktuelle und hintergründige Informationen zu Themen aus den Bereichen Klassik, Pop, Weltmusik und Jazz, dem musikalischen Nachwuchs, den führenden Chören, Ensembles, Orchestern und Initiativen im Lande und natürlich Neuigkeiten über die Aktivitäten der Deutschen Radio Philharmonie.

Die Sendung wird in der Regel auch zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für drei Monate.

Redaktion: Gabi Szarvas, Nike Keisinger

E-Mail an die Redaktion: musikwelt@sr.de

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja