Martin Graff (Foto: Morstadt Verlag)

Martin Graff zu "Grenzvagabund"

Literatur im Gespräch /Lesung und Gespräch

Mit Tilla Fuchs  

Sendung: Mittwoch 29.12.2021 19.15 bis 20:00 Uhr


Wiederholung der Lesung vom 15. November 2010 im Saarländischen Künstlerhaus

Am 4. August 2021 ist Martin Graff nach kurzer schwerer Krankheit gestorben, dort wo der Autor, Journalist und Kabarettist 1944 auch geboren wurde: im Munstertal im Elsass. Zeitlebens war er ein Grenzgänger zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen den Sprachen, Kunstformen und Genres. Verspielt, verschmitzt und freundlich,  dabei stets scharfzüngig politische und kulturelle Debatten aufgreifend. 2009 geriet er nach der Lektüre des umstrittenen Romans "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell in eine tiefe Krise.

Martin Graff: "Grenzvagabund"
Audio [SR 2, Tilla Fuchs / Martin Graff, 29.12.2021, Länge: 46:11 Min.]
Martin Graff: "Grenzvagabund"

Schließlich mündete die Krise in eine kreative Suche nach dem eigenen Vater, der als "malgré nous" für die Wehrmacht kämpfen musste und im Zweiten Weltkrieg in Polen fiel, als sein Sohn erst wenige Monate alt war. Was hatte der Vater gesehen, gehört - was getan?

Martin Graffs Roman "Grenzvagabund" (2010) erzählt von einer Vatererschaffung, er füllt historische und biographische Lücken, wechselt zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Wie so oft in seinen Büchern, Filmen und Kabarettstücken, geht es auch hier um Doppelkulturen und Mehrsprachigkeit: Graff war überzeugter Europäer, die nationalstaatliche Flagge, ganz gleich welcher Couleur, war für ihn nicht mehr als "eine Tischdecke".

Der Autor:

Martin Graff, 1944 geboren in Munster im Département Haut-Rhin, ist Elsässer. Er studierte Theologie, Philosophie und Romanistik an der Universität Straßburg. Graff war Autor, Kabarettist und Filmemacher, u. a. für den SR und den SWR tätig, sowie mehrfacher Preisträger des deutsch-französischen Journalistenpreises. Er starb am 4. August 2021 in Soultzeren.


Die Sendung ist nachhörbar auf SR2.de und in der ARD Audiothek.

Vorschau

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19. Januar: Das Magazin


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Redaktion: Tilla Fuchs

Kontakt: literatur-im-gespraech@sr.de

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