Eine Kerze und eine Rose (Foto: pixabay / Myriams-Fotos)

Jesus, du Trost der Trauernden

Ein Text zur Karwoche von Harald Müller-Baußmann

 

Karsamstag ist und bleibt für die gläubig wartenden Christinnen und Christen der Tag der Trauer und der Hoffnung auf Zuspruch aus einer ganz anderen Wirklichkeit. Der abschließende Text zur Karwoche von Harald Müller-Baußmann.

In der Karwoche verdichtet sich der Glaube an Jesus Christus. Noch einmal erfährt man die Höhen und Tiefen menschlichen Lebens und Leidens. Der Palmsonntag brachte einen Hoffnungsschub. Da jubelten die Leute Jesus noch zu. Karfreitag ist der Tiefpunkt möglichen Leidens, und mit Ostern siegt das Leben, das zur Auferstehung drängt.

Mithilfe der Jesus-Litanei können Glaubensgeheimnisse besonders in der Karwoche betrachtet werden. So auch in der Anrufung: Jesus, du Trost der Trauernden.


Gedanken zur Karwoche: Jesus, du Trost der Trauernden
Audio [SR 2, Harald Müller-Baußmann, 16.04.2022, Länge: 03:35 Min.]
Gedanken zur Karwoche: Jesus, du Trost der Trauernden


Der Karsamstag ist ein stiller Tag, vielleicht sogar der stillste Tag im Glaubensleben. Während sich die Erde weiter um die Sonne dreht, die Welt ihrer Geschäftigkeit nachgeht, ist in den Herzen Totenstille. Der Karsamstag ist der Tag des Übergangs, der von der tiefsten Nacht in das Licht eines neuen Lebens führt.

Karsamstag ist der Tag, an dem sämtliches Licht ausgelöscht ist. Dennoch ist durch die Hoffnung der Schimmer des kommenden Tages zu erahnen. Doch heute ist Zeit der Klage.

In einer Predigt des Kirchenlehrers Epiphanius heißt es:

"Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der König ruht – Gott ist als Mensch gestorben, und die Unterwelt erbebt. Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken."

Schweigen und Einsamkeit verstellen wie ein unüberwindbares Gebirge das Leuchten und die Klarheit des Lebens. Es ist, als sei der Faden abgerissen, der die Verbindung herstellt zwischen der Sehnsucht nach einem möglichen Sinn und der tatsächlichen Realität. Doch die Trauer muss in einem Strom fließen, der die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod wachhält. Der Lebenspuls der Trauernden und Leidenden ist kaum noch spürbar.

Der König ruht. Er ist nicht irgendein König. In der Geschichte des Christentums hat man versucht, ihm Namen zu geben:

"Allgütiger, Allvater, Schöpfer, Erhalter, Ewiger". Fremd klingt das heute für viele. Anders fühlt es sich an, wenn ich den Namen Jesus Christus ausspreche. Um ihn geht es: den Mensch gewordenen Gott, der wieder zu Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit zurückkehrt.

Um ihn ist Schweigen, weil auch er schweigt. Die Worte, die ewigen, hat er als Testament hinterlassen all jenen, die bereit sind zu hören, zu glauben, ihm zu folgen trotz Tod und Grabesstille.

Wer dem Tod entgegengeht, lernt das Schweigen und das Aushalten der Unruhe. Die Trauernden harren auf den Morgen, auf bessere Zeiten und fahnden nach Wegweisern. Die Gläubigen laufen auf ihren Straßen an ihnen vorbei und senden Botschaften des Trostes.

Wenn dann die Zeit sich vollendet hat, gibt es keine leeren Versprechungen mehr. Alles wartet auf den Letzten Satz, der nicht von dieser Welt sein wird.

Karsamstag ist und bleibt für die gläubig Wartenden der Tag der Trauer und der Hoffnung auf Zuspruch aus einer ganz anderen Wirklichkeit.


Harald Müller-Baußmann
Gedanken zur Karwoche 2022
SR 2 KulturRadio sendet in der Karwoche - mit Ausnahme des Karfreitags - täglich gegen 10.55 Uhr Gedanken über Leid, Schmerz und die Hoffnung auf Erlösung. Die Texte stammen von Harald Müller-Baußmann.


Ein Thema in der Sendung "LebensZeichen" in "Der Vormittag" am 16.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine Kerze und eine Rose (Foto: pixabay / Myriams-Fotos).


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Samstags um ca. 10.55 Uhr auf SR 2 KulturRadio

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