Ein Kruzifix (Foto: SR)

Jesus, du unsere Hoffnung

Ein Text zur Karwoche von Harald Müller-Baußmann

 

Ein sehr persönliches Erlebnis hat den Theologen Harald Müller-Baußmann geprägt: Er setzte anlässlich einer Operation seine Hoffnung auf Jesus Christus - und wurde nicht enttäuscht.

In der Karwoche verdichtet sich der Glaube an Jesus Christus. Noch einmal erfährt man die Höhen und Tiefen menschlichen Lebens und Leidens. Der Palmsonntag gestern brachte einen Hoffnungsschub. Da jubeln die Leute Jesus noch zu. Karfreitag ist der Tiefpunkt möglichen Leidens. Und mit Ostern siegt das Leben, das zur Auferstehung drängt.

Mithilfe der Jesus-Litanei können Glaubensgeheimnisse in der Karwoche betrachtet werden.

Jesus, du meine Hoffnung – so lautet ein Ruf an Jesus.


Gedanken zur Karwoche: Jesus, du unsere Hoffnung
Audio [SR 2, Harald Müller-Baußmann, 11.04.2022, Länge: 04:07 Min.]
Gedanken zur Karwoche: Jesus, du unsere Hoffnung


Worauf hoffe ich? Auf Frieden in der Welt, bei guter Gesundheit zu bleiben, auf das Ende der Corona-Pandemie setzen? Die Liste der Hoffnungen lässt sich weiterführen. Hoffnungen begleiten jeden Menschen.

Warum ich ausgerechnet auf Jesus vertraue, ist schnell gesagt: Er ist für mich der Fels in der Brandung des Meeres. Er hält Stand allen Unwägbarkeiten des Lebens. Er weicht nicht, knickt nicht ein, auch nicht am Karfreitag. All das, was an Unmenschlichem über ihm hereinbricht, lässt er geschehen, er erleidet es, weil es zur Konsequenz seines Lebens gehört.

Das schließt sogar den Verrat des Judas ein und das Duckmäusertum seiner Jünger. Auf wen war überhaupt Verlass?

Vielleicht die wenigen Frauen, die an seinem Kreuz verharrten.

Jesus klagt Gott sein Leid: Warum hast du mich verlassen?

Ist das wirklich eine Frage oder ist es nicht vielmehr ein Schrei zwischen Erde und Himmel.

Als der Tag meiner Krebsoperation vor ein paar Monaten anbrach, fühlte ich mich ausgeliefert. Angst überkam mich und ich wusste nicht, woran ich mich halten sollte. Die Vorstellung, die OP vielleicht gar nicht zu überstehen, meine Familie nicht mehr zu sehen und alle, die mir lieb und teuer waren, schienen mir die Hoffnung zu rauben. Am Eingang zum Operationssaal hing ein einfaches, schmuckloses Kreuz an der Wand.

Lass mich leben, Herr, flehte meine innere Stimme. Ich habe alles gut überstanden und als ich aus der Narkose aufwachte, lächelte ich. Ich war noch da und ich spürte, es kann alles gut werden.

Dieses sehr persönliche Erlebnis prägt mich seither. Es gibt eine Hoffnung bei Jesus Christus. Er selbst steht für diese Hoffnung. Er ist die Hoffnung, ganz gleich wie es im Leben auch zugehen wird.

Andere Menschen machen ähnliche Erfahrungen.

Der Sturm auf dem See ist ein Beispiel aus dem Neuen Testament. Obwohl Jesus mitten unter ihnen auf dem Boot war, schürten die Jünger Panik. Sie hatten Angst ihr Leben zu verlieren.

Und sie rüttelten und schüttelten ihn. „Warum habt ihr keinen Glauben?“ war die Reaktion Jesu. Und es wurde still, Normalität stellte sich wieder ein.

Es geht gar nicht um die Frage, ob man in einer gefährlichen Lebenslage stirbt. Es geht letztendlich um die Frage: Hat man die Kraft und den Mut zu leben trotz widriger Umstände? Für mich ist das ein Lehrstück. Sterben müssen wir alle. Das lässt sich vielleicht in der einen oder anderen Situation hinausziehen. Aber zu leben trotz alledem, das ist der springende Punkt. Traue ich also meinem Leben, das es mich hält? Oder ergebe ich mich in Hoffnungslosigkeit?

Die Karwoche ist ein Sinnbild für ein Leben, das in Gegensätzen zu begreifen ist. Es gibt nicht nur gut und nicht gut; es gibt ein Dazwischen, das von der Hoffnung gehalten werden will. Das Leben zu ertragen, wenn keine Hochgefühle vorhanden sind, wenn stattdessen die blanke Angst regiert. Leid durchzutragen ist das, was man aus der Karwoche unter anderem lernen kann. Aber es muss eine Hoffnung geben. Und die hat den Namen Jesus Christus.


Harald Müller-Baußmann
Gedanken zur Karwoche 2022
SR 2 KulturRadio sendet in der Karwoche - mit Ausnahme des Karfreitags - täglich gegen 10.55 Uhr Gedanken über Leid, Schmerz und die Hoffnung auf Erlösung. Die Texte stammen von Harald Müller-Baußmann.


Ein Thema in der Sendung "Der Vormittag" am 11.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt ein Kruzifix in Saarlouis.


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