Lars Feld, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Foto: picture alliance/Patrick Seeger/dpa)

„Wichtig, nicht nur auf Auto- und Stahlindustrie zu blicken“

Interview der Woche mit Bundesfinanzminister-Berater Lars Feld

Janek Böffel  

Der ehemalige Vorsitzende der Wirtschaftsweisen und jetzige Berater des Bundesfinanzministers, Lars Feld, sieht im Transformationsfonds der Landesregierung eine Chance für das Saarland - warnt aber auch vor den finanziellen Risiken. Mit Blick auf mögliche Investitionen rät der gebürtige Saarländer, vor allem auf kleinere und mittelständische Unternehmen zu setzen.

Es war der wohl prominenteste, aber auch der überraschendste Name, den die Landesregierung für den Beirat zu ihrem Transformationsfonds präsentiert hat. Lars Feld ist zweifelsohne einer der bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler der Republik, aber er ist auch einer der schärfsten Kritiker öffentlicher Schulden.

Und ausgerechnet er sitzt also nun im Beirat eines schuldenfinanzierten Sondervermögens. Und so versucht Feld im SR-Interview zu erklären, wie er seine Rolle in diesem Beirat verstehen will: „Als Mahner und in der Rolle desjenigen, der die Haushaltsnotlagenproblematik fürchtet.“ Ein Satz der sich auch als „unbequemer Geist“ übersetzen ließe.

Geld aus Transformationsfonds kann gut eingesetzt werden

Aber trotz Felds grundsätzlicher Skepsis gegenüber Staatsschulden, lehnt er den Transformationsfonds grundsätzlich nicht ab. Angesichts der laufenden Kosten in einem Haushalt, der Begehrlichkeiten der einzelnen Ministerien und den sogenannten konsumtiven Aufgaben, die oft wenig Raum für Investitionen ließen, sei es „ganz geschickt“, diese Investitionen über ein Sondervermögen sicherzustellen.

In der aktuellen Situation mit Inflation und hohen Energiepreisen könnten „die Kredite, die aufgenommen werden, gut eingesetzt werden.“ Doch gerade mit Blick auf die ohnehin angespannte Haushaltslage des Saarlandes sei es gleichzeitig dringend notwendig, bei den geplanten Investitionen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Saarland dürfe auch angesichts in der Vergangenheit erhaltener Hilfen vom Bund nicht erneut in eine Haushaltsnotlage geraten. Deshalb müsse der Strukturwandel tatsächlich im Fokus stehen, so Feld:

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Interview der Woche mit Lars Feld
Audio [SR 2, Janek Böffel, 09.12.2022, Länge: 15:19 Min.]
Interview der Woche mit Lars Feld

„Nicht nur auf Auto- und Stahlindustrie blicken“

Überhaupt mahnt Feld, den Fokus nicht zu sehr auf die „alten Industrien“ zu setzen, sondern die Investitionen aus dem Transformationsfonds breiter anzulegen. „Es ist wichtig, nicht nur auf die Stahl und Autoindustrie zu blicken“, so Feld. Auch wenn die Hoffnung der Landesregierung auf große Ansiedelungen beispielsweise in der Nachfolge von Ford in Saarlouis verständlich seien- Eine Vielzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen sei weniger krisenanfällig.

Es wäre mit Sicherheit zukunftsträchtiger hier eine Stärkung vorzunehmen als auf den ganz großen Anbieter zu setzen.

Zumal kleinere und mittlere Unternehmen aus dem Land selbst oft auch eine stärkerer Bindung an die Region hätten, als Produktionsstandorte von Unternehmen mit Hauptsitz in anderen Regionen Deutschlands oder der Welt. Das würde dann auch zu nachhaltigeren Renditen führen und zu mehr Sicherheit, sodass die Subventionen nicht an der falschen Stelle landeten.

Warnung vor Subventions-
wettläufen

Deshalb warnt Feld auch vor einem Kampf um Ansiedelungen und vor „Subventionswettläufen“. Das gelte für den Wettbewerb mit anderen Bundesländern aber auch europaweit. Man habe es in der Vergangenheit immer wieder gesehen, wie selbst große Hersteller nach dem Auslaufen der Subventionen den Standort wieder verlassen hätten, „gerade in strukturschwachen Regionen“.

Dafür gebe es auch im Saarland Beispiele, wie die Subventionen für den Stahl in den 1980er Jahren. Hier seien die Gelder am Ende nach Luxemburg gegangen. An den Standorten im Saarland sei wenig angekommen, dafür schiebe das Land seitdem hohe Schulden vor sich her. Das dürfe nicht wieder passieren.

Universität als Kernpunkt

Auch deshalb plädiert Feld für eine deutliche Stärkung der Universität. Einer technologisch ausgerichteten Universität komme im Strukturwandel eine Kernfunktion zu. Es gehe nicht darum, Bestehendes unbedingt am Leben zu erhalten, „sondern sich zu fragen, wie schaffe ich es Rahmenbedingungen zu setzen, für die Universität, für Ausgründungen aus der Universität, damit wir zukunftsträchtige Firmen gewinnen können.“

Das würde langfristig zu einer besseren Wirtschaftsstruktur führen. Trotz der Herausforderungen des Saarlandes und der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage, sieht Feld aber durchaus gute Chancen für das Saarland:

Man darf dabei aber auch gespannt sein, wie Feld - der Gegner überbordender Staatsschulden - diesen Prozess als Mahner im Beirat des Fonds begleiten wird.


Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 10.12.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Lars Feld, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Bildquelle: picture alliance/Patrick Seeger/dpa).


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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